Am 4.3.2011 war es endlich soweit - die Abholung eines Supersportwagen stand auf dem Programm. Nicht nur irgendein Supersportwagen, sondern wie sich nach diesem unvergesslichen Tag zeigen sollte, der Supersportwagen schlechthin - der Mosler MT900 GTR. Aber immer schön der Reihe nach - der Mosler MT900 wurde von dem Amerikaner Warren Mosler, von Mosler Automotive in Florida, als eigene Interpretation eines Supersportwagen konstruiert um seine Vision des schnellsten und zuverlässigsten Seriensportwagen der Welt zu verwirklichen. Ursprünglich als Rennwagen MT900R für die Amerikanische Le Mans Endurance Series entwickelt und die damit verbundenen Erfolge, wurde von Mosler Deutschland der MT900 GTR als ultimatives Sportgerät für die Straße aufgelegt. Das Fahrzeug wiegt 1050 kg und verfügt dabei über ein Leistungsgewicht von nur 1,75 kg/PS. Als Triebwerk dient der von Mosler Deutschland applizierte und von Henriks Power entwickelte 7.0L GM LS7. Dieser Motor entwickelt über 441KW/600PS (791 NM bei 5000 U/min.) an Basisleistung und sorgt für den brachialen Antritt des MT900.

Die gesamte Konstruktion der nur knapp 90 kg schweren Karosserie mit Fahrgastzelle besteht komplett aus Kohlefaser und ist mit Frontsplitter, Carbon Heckflügel, Venturikanälen und Heckdiffusor auf maximale Downforce optimiert. Ab etwa 200 km/h wäre man durch den eigenen Antrieb in der Lage an der Decke eines Tunnels entlang zu fahren ohne herunter zu fallen. Beim Fahrwerk vertraut man auf bewährte Technik aus dem Hause KW Automotive, welches komplett eingestellt werden kann. Die 6-Kolben Keramik Bremsanlage mit 370mm Bremsscheiben stammt von der Firma MOVIT und verzögert beinahe momentartig. Geschaltet werden kann entweder über das 6-Gang Kulissentriebe von Getrag oder über ein sequentielles 6-Gang Getriebe von Hewland - je nach Wunsch des Kunden.

 

Kommen wir zurück zur eigentlichen Abholung. Um 11.00 Uhr standen wir also vor den Toren der Firma Heggemann in Büren, unlängst des Flughafen Paderborn-Lippstadt und akkreditierten uns für den Zugang zum Firmengelände von Heggemann Autosport und Raeder Motorsport. Nach der Registrierung sahen wir den Mosler schon vor dem Tor stehen - komplett  in Gelb gehalten mit vielen Sicht-Carbon Teilen abgesetzt, brodelte der MT900 zum Warmlaufen vor sich hin. Martin Raeder begrüßte uns bei schönstem Wetter und führte uns durch seine Firma, von dessen Rundgang wir aufgrund der unterschriebenen Geheimhaltungserklärung nicht weiter berichten dürfen. Danach folgte die Einweisung in den MT900 GTR. Das 10W60 Öl der Trockensumpfschmierung sorgt für die nötige Schmierstoffversorgung des MT900 Aggregats. Zum Anheben der Heckhaube muss zuerst die Feststellbremse gezogenn und danach der Entriegelungsknopf betätigt werden. Die Klavierflügelgroße Haube öffnet sich daraufhin in epischer Breite und gibt den Blick auf den 640PS starken LS7 Motor frei, der in abgewandelter Form auch in der Chevrolet Corvette Z06 und C6R zum Einsatz kommt. Da der Blick nach Hinten durch den Motor und ganzen Aerodynamikteile nicht mehr möglich ist, verfügt der Mosler über eine Rückfahrkamera, die über das Radio angebunden ist. Musik braucht man in diesem Auto so oder so nicht - Herr LS7 im Heck sorgt für soundtechnische Untermalung. Die beiden fetten, im Oberarmdruchmesser,  links und rechts am Heck angebrachten Titanendrohre lassen hier keine Zweifel aufkommen. Hier kocht der Chef ein ganz heißes Süppchen.

Nach überwinden des breiten Schwellers ist die erste Einstiegshürde überwunden und der Blick auf das nach unten abgeflachte Momo Lenkrad, die beiden Rundinstrumente und das LCD Kombidisplay zeugen von Rennwagenflair. Allein schon die 330 km/h Spitze lassen erahnen wo uns die Reise hinführen wird. Also los - die Kupplung kräftig treten, den klassischen Zündschlüssel ins Schloss und eine halbe Umdrehung nach rechts. Was dann passiert kann man fast nicht in Worte kleiden - die 7.0L des LS7 brüllen dich von hinten an, wie der Leibhaftige. Die kleine Trennscheibe zwischen Fahrgastzelle und LS7 Motordomizil erfüllt nur eine Alibifunktion. Es hört und fühlt sich eh an, als wenn sich der Motor direkt an den 2 hauchdünnen Recaro Sitzschalen reibt - immerhin wahrscheinlich die ersten ihrer Art mit Massagefunktion. Nach wiedereinsetzen des Gehirnstroms fällt die Hand auf den mächtigen Alu Schaltknauf. Klack der erste Gang rastet hörbar in der ersten Schaltposition des erstaunlich leicht zu schaltenden Getrag Getriebes ein und bittet förmlich zum losfahren.

Los gehts also, noch recht verhalten bewegen wir uns durch die Schranke über die Flughafenstraße, hin auf die nahe gelegene Bundenstraße. Ich bin ja nun schon allerhand positiv kranke Autos gefahren oder durfte mitfahren, aber alles was ab jetzt abgeht, stellt dies bisher erlebte echt in Schatten. Baaarrb, der Motor dreht derart gierig hoch, der Zeiger des Drehzahlmessers verfärbt sich von Blau in Tiefrot und ermahnt nach nur etwas über 2 Sekunden und über 100 km/h Geschwindigkeit zum Einlegen der zweiten Schaltstufe, die bis etwa 170 km/h eingelegt bleibt. Mist - viel zu schnell - nun muss die 6 Kolben Bremsanlage von MOVIT zeigen was sie kann. Und die kann eine ganze Menge - nämlich verzögern als ob man den buchstäblichen Anker auswirft. Die ganze Zeit versucht der Mosler dem Fahrer zu zeigen, dass er selbst ganz eigene Vorstellungen von Vortrieb entwickeln kann. Ohne kundige Hand überlebt sowohl das Auto als auch der Fahrer nicht allzu lange. Das ist kein Kasperletheater was hier abgeht - 2,9 sek. im Prestiegsprint von 0-100 km/h, die 200 km/h liegen nach schier unglaublichen 8,7 sek. an. Beim Gangwechsel vom 5. In den 6. Gang, also im Geschwindigkeitsbereich ab 250 km/h wird man beim Auskuppeln in die 6-Punktgute gepresst und beim Einkuppeln wieder in die Sitze gedrückt. Das Ding hat wirklich in jeder Lebenslage Schub. Begleitet vom ohrenbetäubenden Sound des omnipräsenten LS7, findet die Beschleunigungsorgie erst bei 330 km/h ein künstlich auferlegtes Ende. Nicht weil das Auto nicht mehr kann, sondern weil derzeit die Reifen hier das Limit aufzeigen - sonst wären durchaus 400 km/h oder mehr drin. Auf der Autobahn verkommen hochkarätige Marktbegleiter wie ein Audi R8 V10 oder ein Porsche 997 Turbo zu Statisten. Kopfschüttelnd stiegen die Fahrer an der nächsten Ausfahrt aus, erkundigten sich nach dem Fahrzeug und fielen schier vom Glauben ab, was sie denn da gerade so doof stehen gelassen hat. Ich hoffe die beiden haben es überlebt - denn der Mosler MT900 GTR relativiert eben alles andere.

Ok, ein Schnapper ist der Mosler mit 320.000,00 € nicht gerade - aber man bekommt dafür das wahrscheinlich schnellste Seriensportauto der Welt. Die Planung für eine Rekordumrundung der legendären Nordschleife, mit einer speziellen Version des MT900 GTR, ist in vollem Gange. Man darf also gespannt sein, wie sich dieses ehrgeizige Projekt weiter entwickeln wird. Die komplette Fotogalerie sind natürlich auch unter Rubrik Fotos verfügbar.

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