Oh du schöne alte Zeit, als es noch viele verschiedene Autos gab - ok die gibt es heute auch, aber es ist doch irgendwie fast alles gleich. Damals, ja damals da sahen die Modelle der Hersteller doch alle für sich eigenständiger aus, hatten eine Seele, wurden von Designern noch am Reißbrett entworfen und nicht am Rechner zusammengeklickt. Die Autos waren vielleicht nicht so sicher und so gut verarbeitet aber sie waren einzigartig und werden manch einen ihrer Nachfolger überleben. Erinnern wir uns Mittdreißiger bis mit Mittvierziger einmal an die Autos unserer Jugend. Da gab es viele Autos die man gerne als Junge oder auch Mädchen besessen hätte - von Siku oder Matchbox hatte jeder bestimmt einen stattlichen Fuhrpark. Dabei waren viele Alltagsautos, aber nur wenige, die einen gewissen Charme versprühten. Ob es nun Porsche, Renault Alpine, BMW CSL waren, war egal, denn sie hatten eben diesen besonderen Charme und sind allesamt schöne Sportcoupés gewesen. Zugegebenermaßen waren sie damals doch recht unerschwinglich und man ist ihnen eher auf Autoquartetts begegnete als auf der Straße, aber sie waren damals schon Traumautos. Auch Mercedes hatte ein schickes, sportliches Coupé im Programm - der Mercedes C123, welcher im Jahr 1977 aus der beliebten Limousine W123 hervorgegangen ist. Er ist ganz gewiss einer der besonderen Vertreter seiner Klasse. Wer einmal solch einen Wagen besaß, wieder besitzt oder "Neu-Youngtimerbesitzer" ist, der schwört auf das anziehende Flair, das dieser Wagen versprüht.

Mit immerhin über 2,7 Millionen gebauten Exemplaren ist die 123er Baureihe, das bisher am meisten gebaute Modell von Mercedes Benz. In Klassen aufgeteilt würde man ihn heute in der oberen Mittelklasse (also quasi der Begründer der Mercedes E-Klasse) einordnen. Etwa 90% der Baureihen entfielen dabei auf die doch etwas bieder daherkommende Limousine W123, der Rest teilte sich auf das T-Modell und die Coupé Version mit knapp 100.000 produzierten Einheiten auf. Letztere hatte nicht mehr eine so starke Anlehnung an die Limousine, wie es noch beim Vorgänger, dem /8, der Fall war. Hier waren die neuen Modelle der C Reihe deutlich eigenständiger. Mit einem um 85 mm verkürzten Radstand verlieh er dem Wagen im Zusammenspiel mit dem niedrigerem Dach und den wesentlich stärker geneigten Front- und Heckscheibe ein deutlich sportlicheres Auftreten. Die bei Coupés typisch fehlende B-Säule verleihen ihm eine herausragende, noch heute viel zitierte Ästhetik. Somit war man damals schon sehr nahe an einem schickt gestylten Sportcoupé, welches kaum Wünsche offen ließ.

 

Optisch musste also wenig Hand angelegt werden, damit das Coupé sportlich daher kam. Der von uns hier gefahrene C123 (Baujahr 1984- Kaufpreis: 50.433,60 DM) wurde zusätzlich mit einem dynamischen BBS Frontspoiler und 16" Alufelgen samt 225 und 245er Bereifung aufgewertet. Der keilförmige und maskuline Auftritt verstärkt sich dadurch erheblich, was aber keinesfalls zu überheblich daher kommt. Standesgemäß und zeitgenössisch, somit gibt es auch keine Probleme mit der H- Zulassung. Im Inneren ergänzt ein wunderschönes Nardi Wurzelholzlenkrad den von Zebrano Holz verzierten Platz des Fahrers. Einzig und allein der Amaturenträger hat die 30 Jahre nicht ganz unbeschadet überlebt. Hier ist der Weichmacher unter der Sonneneinstrahlung entwichen und hat zwei Rissen Platz gemacht. Hier wäre eine Austausch oder eine Smartrepair mittels Füllmittel möglich. Der bollerige, Großserienschaltknauf wich einem stylischen Eightball, der nun die Gangwahl für das 4 Gang H-Getriebe erledigt.  Auch das Becker Europa funktioniert noch tadellos. Alles das passt schön zum coolen Style der 80er Jahre.

Der Lack ist übrigens immer noch der erste und strahlt einem in schmuckem Classicweiß entgegen. Rost? - Fast Fehlanzeige, die Substanz ist bis auf ein paar winzig kleine Stellen durchweg in Ordnung. Die Behebung der Stellen ist mittels Smartrepair leicht machbar. Mit seinen 30 Jahren und einer Laufleistung von fast 400.000 km mit dem ersten Motor steht der "Merci" immer noch top da, eine Zulassung als Oldtimer steht also nun kurz bevor. Die 136 PS, die der muntere und schier unverwüstliche 2,3 L Vierzylinder Motor mit mechanischer K-Jetronic Einspritzung an die Hinterachse übergibt, sorgen auch heute noch flotten Vortrieb und erstaunte Blicke. Wer nun meint, dass es sich bei dem Auto um ein Sonntagsnachmittags- oder Schönwetter Auto handelt, der irrt gewaltig. Der Benz befindet in den Monaten April bis Oktober jeden Tag im Einsatz als Alltagsauto. Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es allerdings - mit knapp 10 - 12 Liter Super bei etwas zügiger Fahrt ist der gute etwas durstig. Besonnenere Fahrweise schafft hier aber auch einen Wert von 8 - 9 Liter auf 100 km.

Die zeitlose und vor allem sehr stimmigen Proportionen machen das Auto auch heute noch zu einem echten Hingucker. Heutige Designer haben den C123 mit der ersten Serie des Hyundai S Coupés verglichen, wo proportional so überhaupt nichts stimmt - die Hyundai Techniker haben hier gegen die Designer gearbeitet. So gilt der C123 bei vielen heute noch eine Designikone, die selten so als Großserienmodell wieder vom Band lief. So gleiten die Augen an geschwungenen Formen des Coupés entlang und empfinden diese als natürlich stimmig und gefällig.

Warum nun einen C123 als Alltagsauto einsetzen? Eine sehr gute Ersatzteilversorgung über die Mercedes Benz Classic sowie über diverse Clubs, lassen Reparaturen noch relativ überschaubar werden. Die unverwüstliche, gut beherrschbare Technik, gepaart mit einem zeitlosen Design inkl. Nachschaueffekt machen den C123 zu einem sehr beliebten Youngtimer.  Die Fahrerin, dieses von uns gefahrenen Modells, ist übrigens jünger wie ihr Fahrzeug. Sie liebt ihn aus allen oben genannten Gründen und ist ihr Traumwagen. Der Bedarf an einem Neuwagen? Nein, no way, bei dem Auto - denn er ist einer von jemals 29.858 produzierten Mercedes Benz 230CE.

Habt Ihr auch einen Youngtimer über den wir berichten können? Wenn ja, dann meldet Euch bei uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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