Der nächste bayrische Vertreter, erhaltenswerter Fortbewegungsmittel wartet auf uns. Dieses Mal haben wir einen wunderschönen Alpina BMW B6 aus der Baureihe E21 vor die Linse bekommen. Mit dem BMW Baureihencode E21  wird die erste Modellbaureihe des erfolgreichen 3er BMWs bezeichnet, der den nicht minder erfolgreichen BMW 02 (E6, E10, E20) beerbte. Als der nur als Zweitürer lieferbare E21 1975 auf den Markt kam, war er anfangs nur mit Vierzylindermotoren (M10) erhältlich, aber 1978 standen ihm auch die seidig weichen und potenten Sechszylinder-Reihenmotoren (M20) mit 2,3 Liter Hubraum und 143 PS zur Verfügung. Das reichte dann für 190 km/h Spitzengeschwindigkeit und 9,8 Sek. Für den Sprint auf 100 km/h. Alpina Chef und BMW Veredler Burkhard Bovensiepen war dies aber nicht genug. So beschloss dieser kurzerhand, mit dem von uns hier gefahrenen Alpina B6, das erste Fahrzeug als Hersteller auf den Markt zu bringen. 

Heraus gekommen ist ein E21 mit BMW M30 Motor aus dem BMW 528i, 2,8 Liter Hubraum und 218 PS Leistung in der zweiten Serie. Die hoch entwickelte Bosch L-Jetronic in Kombination mit dem vollelektronischem AFT-Zündsystem produzierte im B6 2.8 mit 218 PS genauso viel Leistung wie der damalige BMW 3,5L Motor M30B35. Alpina stattete den B6 2.8 mit neuen Bilstein Federbeinen mit Gasdruck-Stoßdämpfern und kurzen, steiferen Federn von Ahle aus. Die schicken 15" Alpina Leichtmetallräder sind 6 Zoll breit und mit 195/50er vorne und 7 Zoll und 205/50er Bereifung bestückt und lassen den B6 2.8 gut dastehen. Verzögert wird mit vorne innen belüfteten und gelochten Scheiben, während man hinten die Standard Bremsen aus dem 323i verbaut lies. Als Basis diente Alpina der BMW E21 323i.  Der B6 wurde im Zeitraum von September 1981 bis Januar 1983 produziert. Unser Exemplar erreichte im Juli 1982 mit der Produktionsnummer 445 die Zulassungsstelle - also einer der späten nur 209 Mal produzierten Einheiten mit 218 PS. Dementsprechend selten ist dieses Exemplar heute noch auf unseren Straßen anzutreffen.

 

Von außen kann man unseren B6 2.8 jetzt wieder recht gut als solchen erkennen, so weist im Doppelscheinwerfer Kühlergrill direkt über dem schicken Frontspoiler ein dezentes B6 2.8 Schild auf das Fahrpotenzial hin und kündigt dem kundigen Autofreund Fahrspaß an. Ebenso sind die grün-blauen Alpina Insignien auf den Flanken des silbernen Ur-Dreiers schön zu erkennen und wirken keinesfalls aufgesetzt oder billig - zeitgenössisch eben - wenngleich die Mutter des damaligen Erstbesitzer das ganze etwas anders sah. Diese finanzierte ihrem Sohn nämlich den B6 2.8 und bestand auf eine sagen wir mal "dezentere Optik", damit das Fahrzeug in der Nachbarschaft nicht so auffiel. Somit musste er ohne Heckspoiler, Alpina Deko-Set und ohne Alpina Innenausstattung geordert werden. Die total schicken und gut konturierten Sitze sowie das Alpina Deko-Set konnte der komplett BMW und Alpina begeisterte, aktuelle Besitzer Hinrich Fechtel aus Borgholzhausen zusammen mit seinem Sohn aber mit wenig Aufwand nachrüsten. Schön gezeichnete Alpina 15" Aluräder passen ebenso zum sportlichen Look wie die beiden einzelnen Auspuffrohre links und rechts am Karosserieende - aber trotzdem ist er noch ein Wolf im Schafspelz. So beschleunigt der B6 2.8 in 6,9 Sekunden von 0 - 100 km/h und erreicht dabei 229 km/h Spitzengeschwindigkeit. Ein damaliger Porsche 911 SC hatte vergleichsweise nur 204 PS Leistung und zog im Autobahnduell schon mal den kürzeren.

Hinrichs Erstkontakt mit dem Alpina B6 2.8 war Mitte der 80er Jahre, als mit einem befreundeten Kfz-Gesellen eine Runde in dessen neu angeschafften B6 2.8 drehte, der vorher seinen Opel Kadett GSi in Zahlung gegeben hatte um sich eben den B6 2.8 zu kaufen. Getreu dem Motto "Eine Runde sagt mehr als tausend Worte", war es dann um Hinrich geschehen - die Begeisterung für die Marke BMW und Alpina war geweckt. Ein temperamentvolleres Gefährt, was so viele Emotionen bei seinem Insassen weckt, hatte er bisher noch nicht erlebt - "Freude am Fahren" eben. Die Hoffnung, jemals einen Alpina B6 2.8 zu besitzen war nun omnipräsent, wenngleich der Wunsch auch erst knapp 25 Jahre später, im Jahre 2011, in Erfüllung gehen sollte. Aus dritter Hand kaufte Hinrich Fechtel sich seinen Traumwagen der 80er, auf den er im Gespräch auf der 2010er creme21 Youngtimer Rallye aufmerksam geworden ist. Das Fahrzeug war vom letzten Besitzer professionell eingelagert und wurde, unter Vermeidung von nervigen Anrufen, bewusst nicht inseriert worden. Er gab seine eventuelle Verkaufsabsicht einen Bekannten im 3er Club weiter, das Fahrzeug bei Gelegenheiten anzubieten.

Im März 2011 kam der Verkauf endlich zustande und machte Hinrich zum stolzen Besitzer des Alpina B6 2.8. Auch alle weiteren zwei Vorbesitzer waren Alpina Liebhaber, die das Auto nur mit Saisonkennzeichen und schönem Wetter bewegten. Dementsprechend top war der Zustand des B6 2.8. Auf dem Youngtimer Festival 2011 in Herten erhielt Hinrichs B6 2.8 sogar die Auszeichnung für das beste anwesende Fahrzeug aus dem Jahrgang 1982. Gekostet hat das Auto übrigens damals 45.700,00 DM - wenn man mal nach der Euroumrechnung bedenkt, was man heute im Gegenwert dafür erhält… Das Hinrich und sein Vater dem BMW und Alpina Virus komplett verfallen sind, wird einem spätestens beim Blick in die Garage der Fechtels bewusst - denn hier wohnen 13 - allesamt wunderschön dastehende Exemplare aus gutem Hause - BMW und Alpina. Darunter allein 6 BMW M3 aller Jahrgänge, ein BMW 2002 Turbo, ein M6 635csi, ein Alpina E36 mit 4.6 V8, usw. Ich denke, das wird nicht der letzte Besuch bei Hinrich Fechtel gewesen sein, denn wir haben jetzt noch Gänsehaut. Wir sagen Dankeschön an Hinrich Fechtel und freuen uns aufs nächste Mal.

Auch im Motorsport war der BMW E21 als 320 Gruppe 5 sehr erfolgreich. Hier saßen Größen wie Harald Ertl, Markus Höttinger oder Harald Grohs am Volant und versetzen die Zuschauer in den später 70-iger und frühen 80-iger Jahren in Verzückung.  Dort standen ausschließlich Vierzylindermotoren zur Verfügung - angefangen beim BMW 320i Sauger mit Formel 2 Triebwerk und 300 PS Leistung über den Schnitzer BMW 320 1.4 L Turbo mit 420 PS bis hin zur Krönung - dem 320i 2.0 L Turbo mit 730 PS Leistung, virtuos in der Tourenwagenweltmeisterschaft bewegt von keine geringerem als Hans-Joachim Stuck und Ronnie Peterson. Auch heute noch befinden sich, neben den Museumsfahrzeugen, ein paar der Modelle in Privatbesitz. Rüdiger Julius-Bernhard war und ist im Besitz von insgesamt 5(!) dieser Modell. Mit dabei ist wohl einer bekanntesten BMW 320 Gruppe 5 - Fruit of the Loom und auch der eben erwähnte 2.0 Turbo mit aberwitzigen 730 PS Leistung. Vom letztgenannten gibt es auch nur noch diese ein Fahrzeug zwei jemals gebauten.

   

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