Etwas grünes, Britisch-Racinggrünes, steht bei uns in der Einfahrt und faucht heiser aus 2 Rohren vor sich hin. Die Rede ist vom BMW E36 M3 GT Coupé, welcher aus der Homologationsserie aus dem Jahre 1995 für die FIA-GT Serie, Division II und der IMSA GT Serie abgeleitet wurde. Das Fahrzeug war ursprünglich auf 350 Einheiten limitiert. Von den dann doch  356 produzierten Fahrzeugen liefen alle, bis auf eines, in der Farbe British Racing Green (Farbcode 312) vom Band. Das einzelne nicht grüne Auto gab es dann exklusiv in Silber.  Der E36 M3 war die zweite M3 Baureihe nach dem E30 M3 und wurde von der Motorsport GmbH im Jahre 1992 vorgestellt. Anfangs nur als zweitüriges Coupé erhältlich, gab es im späteren Verlauf noch die viertürige Limousine (1993) und das Cabrio (1994). Als Motor diente  zum ersten Mail im M3 ein 2990 cm³ großer Reihensechszylinder (S50B30) mit Vierventiltechnik pro Zylinder und einer VANOS an der Einlassnockenwelle. Durch die deutlich höhere Leistung musste natürlich die Bremse und das Fahrwerk überarbeitet werden. 

Mit 286 PS war der E36 M3 deutlich stärker als der E30 M3, aber mit 1460 kg auch deutlich schwerer. So wurde an der Vorderachse ein Eingelenk-Federbein mit verstärkten Federbeinen und Achsschenkeln verbaut. An der Hinterachse kam die bereits im Z1 erprobte Zentrallenker-Hinterachse zum Einsatz. Ebenso wurden die Längslenker an die gestiegene Leistung angepasst. Neue Dämpfer und Stabilisatoren brachten den E36 M3, gegenüber dem normalen Coupé,  insgesamt 31 mm dem Asphalt näher. Dem von uns hier gefahrene BMW E36 M3 GT standen sogar 295 PS zur Verfügung, damit war der GT bis 1995 das stärkste BMW M3 Modell. 1996 bekam der E36 M3 einen neuen 3.2 Liter Motor (S50B32) mit 321 PS und setzte sich damit die Krone auf.

Ihm standen eine Doppel-VANOS sowie ein Sechsganggetriebe und die Compound Bremse an der Vorderachse eingeführt. Den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h erledigte der E36 M3 GT in 5,8 Sekunden bis er bei 250 km/h elektronisch abgeregelt wurde. Das automatisierte Getrag Schaltgetriebe SMG gab es im Jahre 1997 pünktlich zum Facelift als Option mit dazu. Insgesamt wurden 71.242 Einheiten vom E36 M3 produziert.  Der M3 GT unterschied sich noch in weiteren Merkmalen von der normalen M3 Serienversion. So wurden hier schon einige Details aus dem späteren 3,2 Liter Triebwerk verbaut. Die Türen kamen aus Aluminium gefertigt in den GT, das Heck zierte ein neuer Heckspoiler . Farblich angepasst gab es wieder sehr gut ausgeprägte Sportsitze die sich im Designschema Mexico-grün/Alcantara präsentierten - sehr schick wie wir finden.  Die Amis bekamen den GT witziger Weise nicht, denn die hatten dafür den M3 LTW (Lightweight) mit deutlich reduzierter Innenausstattung gegenüber dem GT. Ein Zoll an die Gewichtsersparnis, die man erlangen wollte. Auch bei der Farbe machte man einen Unterschied - white only - so hieß es bei der Bestellung des M3 LTW. Der Nachfolger war der BMW E46 M3, den wir später auch gerne noch vorstellen möchten.

Im Vergleich zum BMW E30 M3 fällt deutlich das höhere Gewicht auf. So tanzt der E36 nicht mehr ganz so leichtfüßig ums Eck wie sein Ur-Ahn der M3 Baureihe. Dieser ist zwar nominell schwächer als der E36, fühlt sich aber deutlich agiler an. Ausstattung gab es dafür im E36 M3 GT deutlich mehr - zählten doch  nun Airbags (die weißen Dinger in den Lenkrädern, die man am liebsten doch nicht sehen möchte), Sonnenschutzrollos, Armauflagen, Klimaanlage, elektrische Sitze und deutlich mehr Elektronik für mehr Luxus im Innenraum. Dies war der Weg vom rassigen Sportwagen hin zum luxuriösen Sport-Alltagsauto mit hohem Wohlfühlfaktor. Ab dem E36 ging es ja schließlich mit dem Fahrzeuggewicht immer weiter nach oben - ein BMW E92 M3 bringt immerhin bis zu satte 1885 kg (als Cabrio E93) auf die Waage - über 600 kg mehr. Aber wir haben - also nicht wir - sondern die Kundschaft hat es ja so gewollt. Lieber ein fettes, überfrachtetes Auto als ein flinkes, flottes Sportgerät. Ja, sicherer sind die Autos schon geworden - keine Frage, aber auch deutlich träger. Müsste man sonst einen V8 in einen M3 verpflanzen?

Egal, zurück zu unserem seltenen E36 M3 GT. Der, wer hätte es gedacht, wieder eines der Exponate von Hinrich Fechtel aus Borgholzhausen ist. Er erwarb den GT am 20.10.2009 in Mailand, Italien und trägt die Produktionsnummer 344 von 356 produzierten Einheiten. Zugelassen wurde er am 14.06.1995 ebenfalls in Italien. Als Sonderausstattung wählte man die volle Hütte - einmal alles bitte. So kam Hinrich zu seinem seltenen und sehr gepflegten E36 M3 GT. Der Vorbesitzer Francesco besaß das Fahrzeug seit dem 18.01.2007 und bewegte ihn als Liebhaberfahrzeug neben seinem damals aktuellen BMW E92 320d und zwei BMW Motorrädern, welche im dichter Mailänder Verkehr natürlich sein favorisiertes Fortbewegungsmittel waren. Der GT steht ringsherum auf üppigen M Doppelspeichen Leichtmetall Schmiederädern im Format 7,5J x 17" vorne und 8,5J x 17" hinten. Als Schlappen wurden 235/40 ZR17 Reifen aufgezogen, die dem Wagen sehr gut stehen. Der Grundpreis für den GT betrug damals 91.000 DM. 

Auf der Straße gibt der E36 M3 GT aber ebenfalls eine hervorragende Rolle als Sportwagen. Seidig weich und sehr potent treibt der Reihensechser den GT in unter 6 Sekunden auf 100 km/h. Auch die Bremsleistung mit 2,8 Sekunden von 100 km/h auf 0 ist sehr beeindruckend - lernt man doch so die Sicherheitsgurte etwas genauer kennen. Beim Außendesign war der E36 M3 deutlich weniger auffällig als sein dickbackiger Vorgänger mit dem sonoren Ansaugsound des Vierzylinders. Nur die etwas geänderte Front, die tiefer gelegte Karosse und der Spoiler (am GT) verrieten den E36 M3. Ansonsten gibt er sich optisch eher unauffällig. Beim E46 hat man dann den M3 wieder etwas deutlicher von Serienmodell separiert, was unserer Meinung nach, auch sehr vernünftig ist. Wenn man schon einen Sportwagen fährt, dann darf dieser auch nach einem solchen aussehen und nicht sich im allgemeinen Serienbrei verstecken.

Im Motorsport feierte und feiert der BMW E36 und der E36 M3 auch heute noch viele Erfolge. In kundiger Hand gaben sie in der STW, FIA GT, IMSA und auch bei Bergrennen lange den Ton an. So wurde Jörg Weidinger aus Happurg auf einem BMW E36 M3 Bergeuropameister und auf einem BMW E36 318 STW Berg-Cup Gesamtsieger zusammen mit seinem Teampartner Dieter Rottenberger.

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