Da steht er nun, der nächste Kandidat aus unserer "Cars in Detail" Serie. Ein BMW E46 M3 in Estorilblau gehalten und fast im Neuwagenzustand. Mitgebracht hat er seinen großen Bruder, den BMW E92 M3, um den wir uns als nächstes kümmern. Optisch wohl einer der schönsten M3, steht der E46 M3 bullig und fett da. Seine Ambitionen zum Motorsport will er gar nicht erst verschleiern und präsentiert sich so wieder mit deutlichem Unterschied zum Serien 3er, was bei seinem Vorgänger dem E36 ja leider nicht der Fall war. Dessen Nachfolge hat der E46 im Jahre 2000 angetreten, was ja nun auch schon wieder satte 14 Jahre her ist. Das Alter sieht man dem estorilblauen Sportcoupé nicht an, immerhin wurden bis zum Produktionsende 2007 insgesamt 85.139 M3s gebaut - darunter auch 29.633 Cabrios. Erhältlich war der M3 nur als zweitüriges Coupé oder Cabrio mit Stoffverdeck. Dem M3 stand ein 3,2 L großer Reihensechszylinder Motor mit Einzeldrosselklappen und Doppel-Vanos zur Verfügung und mobilisierten daraus 343 quicklebendige Pferde bei 7.900 U/min. dahin galoppieren.
Von außen erkennt man den E46 M3 an dem netten Powerdome in der Aluminiummotorhaube, sowie den deutlich weiter ausgeformten Radhäusern und aerodynamisch optimierten Außenspiegeln. Abgerundet wird das Gesamtbild durch die bullige Front, den schicken, geschmiedeten Leichtmetallräder im 19" Format und einer schön heiser klingenden zweiflutigen Auspuffanlage mit 4 Endrohren. Als sehr schönen Akzent setzt BMW an den Seiten auf zwei Kiemen mit BMW M3 Logo, wodurch ein Teil der verbauten Elektronik entlüftet werden soll.

Was wäre so ein M3 schon, wenn er aussehen würde wie ein Normalo 3er? Nicht schön - eben - darum trägt der E46 M3 40 mm mehr Muskelmasse auf den Radhäuser, was der breiteren Spur zu schulden war, sonst hätten ja die serienmäßigen 18" Räder und die ab 2001 verfügbaren 19" Räder nicht ins Radhaus gepasst. Viele Anleihen aus dem Rennsport hat BWM für die Serie aufgegriffen und setze mit den abgerundeten Spoilerecken und dem fetten zentralen Lufteinlauf für Wasser- und Ölkühler weitere schöne Akzente die dem Fahrer das Flair eines Rennwagen näher bringen sollen. Hinten sorgt ein sogenannter Gurney Flap auf dem Kofferraumdeckel für etwas zusätzlichen Abtrieb und mehr Anpressdruck auf der Hinterachse. Der 3,2 Liter S54B32 Motor ist ein wahres Sahnestück an Motorenbaukunst. Nach Hochdrehzahlkonzept und natürlich mit 24 Ventilen konstruiert, erklimmt er mühelos die Drehzahlleiter bis zur Grenze von 8.000 U/min. Trotz des Hochdrehzahlkonzeptes bietet der Motor ein sehr breites und vor allem gut nutzbares Motordrehzahlband. Etwa 80% seines maximales Drehmomentes von 365 Nm liegen bereits ab 2.000 U/min. an. Zur Kraftübertragung diente das hydraulisch unterstütze sequentielle Sechsganggetriebe SMG II mit anpassbarer Drivelogic. Das ganze fährt sich anfangs etwas komisch, weil ungewohnt, macht dafür aber im sportlichen Fahrbetrieb mächtig Laune.

 Dies unterstreicht auch das vom Vorgänger E36 M3 weiterentwickelte Fahrwerk, was den Fahrspaß nochmals anhebt. Hinzu gesellte sich die variable M-Differentialsperre, welche eine Sperrung zwischen 0 und 100% erlaubt. Für die echt amtliche Verzögerung sorgt die schwimmend gelagerte Compound Bremse an Vorder- und Hinterachse. Die braucht man auch, wenn man sich mal die Beschleunigungswerte des E46 M3 so vor Augen führt. In nur 5,4 Sekunden trabt der E46 M3, unter Einsatz des SMG II Getriebes, aus dem Stand auf 100 km/h los. Elektronisch abgeregelt, wird gemäß Gentlemen Agreement, bei 250 km/h, optional gab es die Freischaltung auf 280 km/h. Mit 1.535 kg Leergewicht ist der E46 M3 schon ein ganz schöner Brocken geworden, fährt sich aber dank der 15,4:1 übersetzen, sehr direkten Lenkung äußerst Leichtfüßig und vermittelt einen hervorragenden Fahrbahnkontakt. Wer wollte, konnte für etwa 5.000 € Aufpreis noch das Competition Paket mit dazu buchen und erhält dafür die 19" Räder im BMW CSL Design sowie eine nochmals direktere Lenkung, die fette Bremse aus dem CSL und ein optimiertes Fahrwerk. Als Sahnehäubchen gab es noch eine Taste am Lenkrad - toll oder? Ja, die ist toll, denn die aktiviert den "M Track Mode" - klingt schon sehr cool, ist aber noch viel cooler. Hier gibt es auf Knopfdruck mehr Schlupf an den Hinterrädern - also quasi eine Anti ASR Taste. ;-) 


CSL? Vom BMW E46 M3 gab es auch eine CSL Variante, die als limitiertes Sondermodell für die Abkürzung der Worte "Coupé Sport Leichtbau" - als eine Hommage an den BWM 3.0 CSL- seht. Das Gewicht wurde beim CSL um 50 kg gesenkt und die Motorleistung wuchs auf 360 PS an und beschleunigte den CSL dann in nur noch 4,8 sek. auf 100 km/h. Da sieht man mal, was 50 kg weniger und ein paar bayrische Pferde mehr so bringen. Den M-Knopf gibt es natürlich hier schon ab Werk, genau wie das SMG II Getriebe was jetzt auch unter Maximallast geschaltet werden kann. Auch das Fahrwerk mit magnetimpulsgeformten hinteren Querlenkern trug mit dazu bei, dass der CSL seinerzeit die Nordschleife in nur 7:50 min umrundete. Die Aerodynamik wurde speziell in Front und Heck nochmals überarbeitet. Vorn fielen die Nebelscheinwerfer der geänderten Ansaugführung mit Saugloch zum Opfer, dafür gab es hinten schickes Bürzel auf dem Kofferraumdeckel. Ein Carbondach sowie diverse M Insignien hatte BMW ebenfalls für den Käufer bereitgestellt. Produziert wurden vom CSL insgesamt 1.383 Einheiten. Einen besonderen Kracher hatte BMW mit dem E46 M3 GTR noch parat. Quasi als Muss-Homologationsmodell für die ALMS baute man einen Serienwagen mit einem 4.0 L V8 Saugmotor bis diese in 2002 bei der ALMS verboten wurden. Nach dem Ende der Saison modifizierte man die beiden M3 GTR dann für die Nordschleife.

Unser hier gefahrenes Exemplar ist ein ganz besonderes. Zum einen weil unser Freund Hinrich Fechtel uns den Wagen für den Test zur Verfügung gestellt hat und zum anderen weil er ein Teil der Nürburgring Erlebniswelt gewesen ist, bevor diese einem gewissen Ringerracer & Co. zum Opfer gefallen ist. Hinrich bewarb sich seinerzeit per Los um die Zuteilung zum Erwerb dieses Fahrzeugs in Estorilblau und erhielt dann auch den Zuschlag. Der Farbton ist echt wunderschön und strahlte Jahrelang in der Erlebniswelt seinen Glanz aus. Die BMW Erlebniswelt wollte das Auto nicht so einfach übergeben und lies es zu einem kleinen Event für alle Beteiligten werden. Sogar der ehemalige Leiter des Entwicklungsprojektes bei BMW, Siegfried Friedmann, lies es sich nicht nehmen, dabei zu sein, wie das einzige seiner "Babys" die Welt aus der BMW Welt erblickte. Als erster BMW Kunde überhaupt erhielt Hinrich Fechtel sein Fahrzeug im Rahmen der Exklusivauslieferung, was ein wirklich beeindruckender Moment war. Begleitet von viel Licht und Sounduntermalung konnte Hinrich endlich sein neues Prunkstück aus der Individualserie 30 Jahre BMW M in Empfang nehmen.

Neben der Sonderlackierung in Estorilblau, wurde auch im Innenraum nur feinstes Material verbaut. Tolle Lederausstattung aus Walknappa mit in schwarz und ebenfalls Estorilblau, abgesteppt mit feinem Steppzwirn, machen absolut fahrerorientierten Innenraum zu einer echten Wohlfühllandschaft. Das wulstige M-Lenkrad fasst dich hervorragend an, so dass man es am liebsten gar nicht mehr loslassen möchte. Die rechte Hand fällt auf den kühlen, verchromten Schaltknauf des sequentiellen 6-Gang SMG II Getriebes und lädt damit zum sofortigen losfahren ein. Ein Dreh am Zündschloss und der kehlig klingende Reihensechser wird zum Leben erweckt. Die Drehfreude des Motors gepaart mit der motorsportähnlichen Schaltung und dem super abgestimmten Fahrwerk geben dem Fahrer das was er verdient, wenn er sich ein solches Auto zulegt - Freude am Fahren! BMWs Tugend im Automobilbau und Motorsport.

Im Motorsport feierte die BMW E46 Baureihe viele Erfolge. Ob dies nun mit den 2 Liter Modellen in der ETCC und WTCC war oder mit den beiden BMW E46 M3 GTR - der E46 ist eine feste Größe auf der Rundstrecke. Aber auch im Slalom oder bei den Bergrennen sind immer noch viele E46er im Einsatz. Hier setzt z.B. Uwe Ladage den ex-Jörg Müller BMW 320 ETCC, Marco Fink einen BMW 320 WTCC oder Lutz Pfeil den BMW M3 HPR ein.

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