Toyota Celica GT TA22 - Japanische Schönheit im Anflug

Reflektiert man mal die Designs von Autos aus der damaligen Zeit im Vergleich mit der heutigen Zeit, wird einem schnell klar - das ist bei manch einem Hersteller irgendwas ganz schön schief gelaufen? Man fragt sich: "Hey, schaut ihr euch die Autos eigentlich mal an, bevor ihr sie auf die Menschheit loslässt? Was ist los mit Euch?" So wie es aussieht irgendwie nicht, denn im Vergleich mit unserem neuesten "Cars in Detail" Zugang - einer wunderschönen, blauen Toyota Celica GT TA22 aus dem Jahre 1974, sehen doch die letztlich aktuellen Modelle der Baureihe ziemlich blass aus. Die Eigenständigkeit und den Mut zum formschönen Design, der in den 70er noch vorhanden war, ist jetzt in Gänze verschwunden. Darum freut es uns umso mehr, dass wir eines der wenigen noch fahrenden Exemplaren vor die Kamera bekommen haben. Karin und Jens Riesberg aus Osnabrück sind die stolzen Besitzer der blauen Toyota Celica GT TA22.

Die Celica GT TA22 stammt aus der ersten Generation der Celica Baureihe, welche im Jahre 1970 auf der Tokio Motorshow vorgestellt und bis 1975 gebaut wurde. Der Export nach Deutschland erfolgte im November des Jahres 1971. Das Celica Coupé basierte, in Bezug auf den Fahrzeugrahmen, Motoren und Technik auf der damaligen Großserienlimousine Toyota Carina. Die am meisten verkaufte Variante war die Version TA22 mit einem 1,6L Vierzylinder Motor und Doppelvergaser, die als TA22 Modellbezeichnung "ST" 86 PS leistete. Das hier schon verbaute 5 Gang-Getriebe war damals noch eher selten als Standardausstattung anzutreffen und bot dem Fahrer so ein deutlich feiner abgestimmtes Getriebe. Als schwächere Version gab es die Modellbezeichnung "LT" mit Einzelvergaser und 79 PS (5 Gang Schaltgetriebe) oder 75 PS (3 Stufen Automatikgetriebe). 1972 kam die GT Modellreihe mit dazu, was technisch und leistungsmäßig schon damals absolut "State of the Art" war.  

So kam hier ein 1,6 L Motor mit zwei Doppel Mikuni-Solex Flachstromvergaser und zwei oben liegenden Nockenwellen (DOHC) und stattlichen 108 PS zum Einsatz. Dieser hatte mit der nur knapp 1000 kg leichten Karosse ein leichtes Spiel und verhalf der Celica ab etwa 4.000 Touren zu flottem Vortrieb. Der Prestigesprint aus dem Stand auf 100 km/h gelang in 10,9 sek. Bei 185 km/h hat der Vortrieb dann sein Ende gefunden und will wieder eingebremst werden. Auch innen hing es im kleinen Nippon-Mustang schick daher. Ein Dreispeichen- Holzlenkrad mit 6 klitzekleinen Hupknöpfen, sowie reichlich viele formschöne Rundinstrumente sorgten in Verbindung mit den Fakewood Dekoreinlagen für eine gediegene, sportliche Atmosphäre - keine Spur mehr von der gewohnten Spießigkeit.  Außen bediente man sich designtechnisch recht hemmungslos bei Fords Mustang und verpasste dem ganzen dann eigenständiges, durchaus schickes Gesicht mit 2 Doppelscheinwerfern und schicker Chromstoßstange. Wen man da an die letzten Celica Modelle blickt, fragt man sich, wo die Eigenständigkeit geblieben ist?

Das typische "Long Hood / Short Deck" hatte sich nun mal bei den Amis als äußerst erfolgreich erwiesen, worauf hin die Toyota Leute dies gleich adaptierten. Flugs noch ein paar schicke, seitliche Belüftungsöffnungen in die Haube integriert und fertig ist das Mini-Musclecar. Als Alternative zu der von uns gefahrenen Stufenheckvariante gab es 1973 auch noch die Liftbackvariante LB. Diese gab es dann als Celica 2000 GT mit 2,0 L Motor und satten 120 PS. Angetrieben wurde übrigens, wie es sich für sportliche Autos gehört, natürlich die Hinterachse serienmäßig verbauter Differenzialsperre. Das freut natürlich den driftambitionierten Piloten am Lenkrad, der aber aufgrund der Leichtigkeit des seins, schnell wieder einfangen lässt. So verwundert es nicht, dass das die Celica auch im Motorsport sehr erfolgreich war. Ove Andersson und Hannu Mikkola bewegten die Celica erfolgreich auf losem Rallyeterrain.  Ende der 70er Jahre schnappte sich Schnitzer kurzerhand die Celica und baute aus der Liftback Version die Toyota Celica LB Turbo Gruppe 5. Hier wurden aus einem 1,4 L Motorüber 560 bitterböse Turbo PS gewonnen. Als Fahrer kamen hier Harald Ertl und Rolf  Stommelen in der Deutschen Rennsportmeisterschaft zum Einsatz.

Jens Riesberg, der Besitzer diese blauen Schönheit aus Japan, kam 1992 zu seiner ersten Celica - und was soll man sagen - es war Liebe auf den ersten Blick. Die aktuelle blaue Celica kam im Jahre 2000 in seinen Besitz, nachdem ein Freund den Wagen über 8 Jahre lang sehr aufwendig restauriert hatte. Alle Blechteile am Fahrzeug wurden komplett erneuert, sogar das Dach und die hintere linke Seitenwand mussten neuen Teile weichen. Mit der 90er Jahre war ja noch fast jedes Ersatzteil bei Toyota verfügbar, was jetzt leider ganz aussieht und die Celica GT TA22 leider zu einer aussterbenden Art machen.  Die restlichen Karosserieteile wurden komplett sandgestrahlt und neu im schicken blau lackiert. Als Dekor komme zweifarbige Rallyestreifen mit GT Insignien zum Einsatz. Der 1,6 L Motor mit seinen zwei offenen Doppel Mikuni-Solex Flachstromvergaser wurde neu revidiert und hat seitdem 58.000 km gelaufen. Die Leistung dürfte dank der offenen Vergaser, entsprechender Düsenbestückung und Supersprint Fächerkrümmer wohl über den sonst serienmäßigen 108 PS liegen. Der Sound ist auf jeden nicht mehr serienmäßig sondern klingt nach einem Gruppe H Rennwagen von der Rennstrecke.

Wie es der Zufall wollte, stieß Jens auf ein paar äußert seltene BBS E50 Rennsportfelgen aus dem Jahre 1978 . Bei einer Garagenauflösung lagen diese zerlegt in einem zu gestaubten, nicht beachteten Karton. Der Zustand war allerdings mehr als schlecht, so dass hier auch noch mal kräftig Hand angelegt werden musste. Heute erstrahlen die Felgen im Format 7 1/4" und 7 3/4" x 15" in neuem Glanz und werten das Fahrzeug dadurch zeitgenössisch enorm auf. 

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