Nach einer kleinen motorsportbedingten Pause, geht es nun mit unserer Cars in Details Reihe weiter. Wir haben dieses Mal einen BMW E30 M3 in Brilliantrot auf dem Hof stehen - hatten wir nicht schon mal nen roten M3 auf dem Hof? Ja hatten wir, aber dieser hier ist wohl so ziemlich einzigartig in Deutschland. Die allgemeinen technischen Details zum Ur-M3, dem BMW E30 M3 haben wir ja schon ausführlich behandelt, so dass wir uns ganz diesem besonderen Exemplar zuwenden können.

Der Besitzer des M3s ist Carsten Hesse aus Holzminden. Carsten ist querschnittsgelähmt und somit auf einen Rollstuhl für seine Mobilität angewiesen, da er seine Beine nicht mehr bewegen kann. Carstens Traum war aber schon immer ein BMW E30 M3, der 1992 dann endlich Wirklichkeit werden sollte. Damals fuhr Carsten noch einen 1989er 320iA als Daily Driver. Ein guter Freund wusste ja, dass es schon ein lang gehegter Traum von Carsten war, einen M3  zu fahren. Als dieser eines Tages bei ihm anrief und meinte, er hätte im 250 km entfernten Lengerich seinen Traum M3 gesehen. Gesagt, getan - 20 min später war Carsten schon auf dem Weg nach Lengerich. Genauso spontan und einfach gestaltete sich auch der Erwerb des Autos - angekommen, M gesehen, in M verliebt, Probefahrt gemacht, Daten geprüft, den Preis nachverhandelt und gekauft. Da stand er nun also - ein brilliantroter BMW E30 M3, Baujahr 1990, originale 19.000 km, Sport Evolution Teile, Erstbesitzer war die BMW Motorsport GmbH bevor er zum Autohaus Lorenz in Lengerich wechselte. Es stand quasi Carstens Name dran, wie man so schön sagt. Die Begeisterung für den stärksten Buchstaben ///M war also geboren. Carsten betriebt übrigens die tolle Webseite M3-klassik.de , auf der man sich sehr umfassend über den BMW E30 M3 informieren kann.

Als nächstes stand die Umrüstung auf  Handgas-/Bremse-/Kupplung ganz oben auf der ToDo Liste, denn man wollte ja nicht auf den Fahrspaß im M3 verzichten. Das Handgas wird über einen auf dem Lenkrad angebrachten Gasring betätigt. Dieser ist mit dem Gaspedal verbunden und betätigt es auf Druck. Direkt rechts daneben ist der Bremshebel angebracht, welcher über eine Stange direkt mit dem Bremspedal verbunden ist. Beim Anlassen des Motors trennt die Kupplung automatisch, so dass der erste Gang eingelegt werden kann. Wird Gas gegeben, kommt die Kupplung - je mehr Gas gegeben wird, desto schneller und weiter kuppelt sie automatisch ein. Der Schalthebelknauf ist mit einem Mikroschalter versehen. Wird dieser Schalter gedrückt, trennt die Kupplung ebenfalls automatisch. Eine ähnliche Technik wird zum Beispiel auch bei Rennwagen eingesetzt. Dann wird geschaltet, Knopf loslassen und wieder Gas geben. Ab einer Geschwindigkeit von ca. 45 km/h und loslassen des Gasrings, kuppelt der M3 automatisch aus.  Die verbaute Servokupplung kann auch manuell deaktiviert werden. So lässt sich der M3 dann ganz normal über die Pedale bewegen.

Auch die übrige Ausstattung von Carstens M3 kann sich sehen lassen. Der BMW E30 M3 mobilisiert aus dem 2,3L großen M-Power 4 Zylinder Motor 215 PS und hat derzeit 83.100 km auf dem Tacho stehen. Ein elektrisches Stahlschiebedach und elektrische Fensterheber sowie die Kartenleseleuchte im Rückspiegel zählen genauso zur Luxusausstattung wie die schwarzen Lederausstattung und der große Bordcomputer. Dazu gab es noch einen Geschwindigkeitsregelanlage, eine Scheinwerfer Wisch-Wasch Anlage mit Intensivreinigung und das Radio Bavaria Business RDS samt Soundsystem. Originale M3 Sport Evo Sitze, verstellbare Frontspoiler und Heckflügel, sowie der Venturispoiler und die 18" Kotflügel versprühen hier echten Rennsportcharme der 90er. Ergänzt wird das sportliche Gesamtbild durch den M3 Sport Evo Kühlergrill samt Niere und Lufteinlässe für die Bremsanlage, Motorhaubendichtungen und Zündkerzenstecker.  Damit es auch von außen nach Rennauto klingt, ist eine sehr gesuchte G Power Medium Variante des Endschalldämpfers verbaut, dessen sonorer Sound hervorragend zum Charakter des M3s passt. Etwas tiefer ist Carstens M3 auch, was sehr gut zu den schicken Felgen im M3 E30 Cecotto Design passt.

Der BMW Händler in Lengerich spendierte dem Motor 276° Nockenwellen, welche heute immer noch stoisch ihren Dienst im M-Triebwerk verrichten. Ab 4.500 U/min. zündet der Motor mit diesen Nockenwellen buchstäblich die Lunte und ermahnt etwa 2.000 U/min. weiter zum Einlegen der nächsten Welle, sonst rauscht der Motor in den Begrenzer. Und das könnt ihr mir glauben - die Lunte zündet gewaltig. Rost ist an Carstens M3 zum Glück kein Thema. Alle markanten Stellen, wie der hintere Bereich in den Radkästen vorne sowie die unteren Ecken des Windfangs der Windschutzscheibe - alles rostfrei. Am Unterboden freut sich der TÜV Prüfer  heute noch über die originale Versiegelung des Herstellers von 1990.

Für die dann doch mal etwas abwechslungsreiche Sounduntermalung hat Carsten in seinem M3, unsichtbar eine moderne HiFi Anlage verbaut. Dessen Speaker passen exakt in die originalen Lautsprecherplätze in der Hutablage und im vorderen Bereich. Die leistungsstarke 4-Kanal Endstufe verbirgt sich mit speziell angefertigter Halterung im hinteren linken Kotflügel. Einzig und allein das Becker CD Radio aus den 90er lässt darauf schließen, dass bei Bedarf ein zweites soundtechnisches Orchester - neben dem aus dem Motorraum - dem Fahrer um die Ohren sausen darf.

Spaß machen tut der M3 jedem, der ihn einmal gefahren ist. Freude am Fahren eben - ob nun Menschen mit oder ohne körperliche Einschränkungen. Dem Fahrspaß tut dies auf jeden Fall keinen Abbruch. Wir bedanken uns bei Carsten und ziehen den Hut davor, wie er seinen Alltag - wie selbstverständlich meistert und sich nach dem schweren Schicksalsschlag nicht aufgegeben hat. Es war eine ganz besondere Begegnung für uns. Vielen Dank Carsten! 

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