Next please - oh yes Baby, und was für ein nächster da auf unserem Hof stand. Ein BMW E30 M3 in rot - ok einen roten BMW E30 M3 hatten wir schon mal. Weil dieser hier aber doch etwas anders ist und wir den, um das schon mal vorweg zu nehmen, absolut Endgeil (total toll für unsere älteren Leser) fanden, gibt es den BMW E30 M3 Sport Evo mit seinem großen Bruder, dem BMW E36 M3 GT im Doppelpack. Aber eins nach dem anderen - zuerst kommt der etwas ältere Herr aus gutem Hause. Der 1985 auf der IAA vorgestellte BMW E30 M3 mit 2,3 Liter Motor und 200 PS Leistung, verlor durch den Katalysator kurzfristig 5 Pferde um dann nachher 20 neue hinzu zu bekommen und sich dann bei 215 PS einzupendeln. Im Motorsport, nach Gruppe A Reglement, wurden durch den Einsatz von geänderten Einzeldrosselklappen gegenüber dem Serien M3, knapp 300 PS lauthals mobilisiert. Die erste Krönung erfuhr der M3 durch den Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft im Jahre 1987 durch Roberto Ravaglia - als Goodie gab es dann noch den Gewinn der Europameisterschaft und der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft. Ein Siegertyp war geboren und setzte sich über Jahre bis zur DTM (also nicht der Quatsch der ,uns heute als DTM vorgemacht wird) durch.

Der M3 der Baureihe E30 ist der erfolgreichste Tourenwagen der Welt. Er verbuchte mehr als 1500 Einzelsiege, 60 Landesmeisterschaften bei Straßen- und Bergrennen sowie im Rallyesport, dazu sieben Berg-Europameisterschaften, fünf Mitropa Rally Cups und acht Siege bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa. Schon das Premierenjahr 1987 wurde zu einem Triumphzug: Roberto Ravaglia wurde Tourenwagen-Weltmeister, er war damit der erste in der Geschichte. Winfried Vogt sicherte sich 1987 die Europameisterschaft und Eric van de Poele wurde Deutscher Meister. Ein Siegertyp war geboren, in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft „DTM“ (also nicht der Quatsch der uns heute als DTM vorgemacht wird) , setzten sich Fahrerlegenden wie Johnny Cecotto, „Smokin‘ Jo“ „Jockel“ Winkelhock, Marc Hessel, Harald Grohs und natürlich die oben erwähnten Meister des Jahres 1987 im M3 immer wieder in spektakulären Rennen erfolgreich gegen ihre Gegner im Alfa, Audi,Mercedes oder Ford Mustang durch. 

Mit der Änderung im Reglement 1990 musste BMW handeln und legte aus Homologationsgründen den nur 600 mal gebauten BMW E30 M3 Sport Evolution auf. Ein Billigheimer waren die Bayern ja noch nie, und so rief BMW rund 85.000 DM für den M3 Sport Evolution auf - fast 20.000 DM mehr wie der normale M3. Ein Porsche 911 war da auch nicht mehr weit entfernt, aber der M3 konnte eben auch genauso gut fahren wie der Porsche. Satte 238 PS, gepaart mit einem heute noch knallharten Top-Fahrwerk, ohne Elektronik (bis auf die 4 Knöpfe für die Fensterheber und die optinal erhäliliche EDC, die hier nicht verbaut war), dafür aber mit einer 25% Differenzialsperre  ausgestattet - das war die Ansage von BMW. Innen nahm man auf wunderbar ausgeprägten Schalensitzen mit Durchführungen für die Hosenträgergurte, welche entweder in Stoff oder Leder bezogen werden konnten. Die Farbauswahl beschränkte sich dabei auf  Brillantrot oder Glanzschwarz, das musste reichen. Ein Volant zum hinfassen - das direkt aus dem Motorsport adaptiertes Wildlederlenkrad lädt zum sportlichen Fahren förmlich ein. Vorne und hinten gab es jeweils einen verstellbaren Spoiler. Zusätzlich integrierte man beim Sport Evo in den vorderen Unterboden  einen Venturi-Spoiler,benannt nach Giovanni Battista „Venturi“, dem  Enddecker des „Venturi“-Strömungseffektes. Durch dieses V-förmige Windleitprofil wird die Aerodynamik des M3 so optimiert, dass die Luftströmung unter dem Fahrzeug beschleunigt wird. Die Entwicklung dieser aufwändigen Luftleitsysteme  war der damaligen DTM zu verdanken, wo die Aerodynamik eine immer größer werdende Rolle spielte. Bei unserem heutigen Exemplar gibt es  unter der Haube  ebenfalls ausgeklügelte Renntechnik: Eine fette Carbon-Airbox gepaart mit der eh schon akustisch sehr präsenten Luftzufuhr des M3s, lassen den M3 Sport Evo endgültig zum Nachbarschreck mutieren.

Bereits im Stand brodelt der gute schon schön böse vor sich hin um dann jenseits der 4.500 Touren sein wahres Gesicht zu zeigen. Die kleinen Harre auf dem Unterarm klappen spontan um 180 Grad nach hinten, aus Angst angesogen zu werden. Der rote Bereich beginnt bei 7.000 Umdrehungen und einer Soundkulisse, wo man alles andere verdrängt - nur noch das Du und das Auto. Die linke Hand am Lenkrad,  das eine Auge auf die Strecke gerichtet, das andere sieht den Zeiger des Drehzahlmessers, wie er sich der 7.000 nähert. Quasi reflexartig greift die rechte Hand zum knackigen BMW 5-Gang Sportgetriebe und legt klackend die nächste Fahrstufe ein. Nur Du und die Maschine - hier das normal Sein im Straßenverkehr nicht aus den Augen zu verlieren, ist hier die wahre Kunst. Der Sprint auf 100 km/h ist nach nur 6,5 Sekunden aus dem Stand erreicht und endet bei 248 km/h. Jaha so geht das liebe Leute, und das mit einem frei atmenden 4 Zylinder Reihenmotor ohne fetten Föhn dran. Das ist eben die wahre Motorenbaukunst. Das Fahrwerk hat mit dem 1200 kg schweren Leichtgewicht von E30 M3 ein wahrhaft leichtes Spiel und ist selbst unter heutigen Gesichtspunkten ein echter Kracher. Spitzenmäßig abgestimmt, von der 25% Sperre unterstützt und mit megahaftenden Semislicks geht der M3 ums Eck wie ein Derwisch.

Es macht einfach Laune den M3 enge Bergpassagen (ja auch in Ostwestfalen Lippe gibt es Berge) hinauf zu treiben und dem sonoren Brüllen des Motors zu lauschen. Ein ehemalige Bergrennstrecke erfüllte für uns die besten Voraussetzungen und bereitete eine Menge Spaß mit viel Gas. Ob die Anwohner das genauso gesehen heben - who cares? Auf die Hüften gestützte Unterarme sind glaube ich in der Körpersprache nicht so nett, mochten wohl den Sound des Heim-DTM M3s nicht. Das omnipräsente Brüllen des M3s kommt im Wald, immer näher kommend, einem wütenden Raubtier gleich um sich dann kurz zwischen zwei Kurvenpassagen zu zeigen, um dann wieder im Schutz der Dunkelheit zu verschwinden. Selbst bei leichtem Haftungsverlust ist der M3 super einzufangen und lässt  sich in bester Norbert Wimmer Manier (begnadeter BMW 2002 tii Fahrer des Berg-Cups) quer ums Eck bewegen. Der Blick nach hinten wird durch den fetten Heckspoiler, samt bereits erwähnter Spoilerlippe, etwas eingeschränkt - aber mal ernsthaft, wer schaut denn bei dem Auto nach hinten? Getreu dem Motto - Wer später bremst ist länger schnell. - verzögert der M3 auch wie ein Rennwagen. Anhalten möchte man am liebsten eh nicht, höchstens zum Tanken. Selbst da zeigt er sich im normalen Betrieb *hust* mit 8,8 Liter Super doch recht human.

Der BWM E30 M3, den wir hier gefahren sind, ist kein echter "Sport Evolution", der Motor des M3 wurde allerdings mit Teilen des Leistungskits Typ 23 4 S1, häufig auch als "großes Evo-Kit" bezeichnet, und einer Airbox mit Alpha N Steuerung auch auf standfeste 240 PS gebracht. Bevor hier die Nase gerümpft wird - lest erstmal weiter, ist nämlich alles blitzsauber gemacht worden. Dazu macht das Ding so einen Spaß, dass ich mich heute - 2 Tage später - immer noch hinter das Steuer des M3 wünsche. Besitzer des BMW E30 M3 ist übrigens unser guter Freund Hinrich Fechtel, der den Wagen am 10. Mai 2012 in Garching  im Rahmen eines Treffens des ///M-Herstellerforum „M-Power-World"von seinem Vorbesitzer übernommen hat. Und der hat mit Hilfe des M3 E30 Spezialisten Olaf Glöckner aus Zwickau, der die kompletten Umbauarbeiten mit viel Leidenschaft und Engagement ausführte, viel am Auto getan, dass er nun so dasteht. Gekauft wurde der BMW E30 M3 in Dresden, Baujahr 1990 und knapp 183.000 km auf dem Tacho. Kurios war die Besichtigung des M3s, denn dieser stand im Wohnzimmer gleich neben dem Fernseher und der Couch. Ok, kann man machen - Mädchen nehmen ja auch ihr Haustier mit ins Haus. Zur genaueren Begutachtung des M3s wurde das Auto erstmal auf die Terrasse gefahren und wechselte nach kurzer Preisverhandlung den Besitzer. Beim Umbau sollte eine komplette Motor- und Getrieberevision samt Hochrüstung auf dei beiden Leistungs-Kits durchgeführt werden. Unter anderem fanden andeer Kolben (höhere Verdichtung), ein leichteres Schwungrad und verstärkte Ventilfedern Weg in den überarbeiteten Motor. Zusätzlich gab es dann noch den dicken Krümmer vom M3 Evo der dann durch den Sport Evo Krümmer ersetzt wurde. Motorhalterung und Bremsenteile bekamen eine Pulverbeschichtung und der Innenraum wurde komplett mit Glatt- und Veloursleder bezogen. Dies passte hervorragend zu den Sport Evo Teilen im Innenraum sowie den Sport Evo Sitzen. Außen runden der Sport Evo Front- und Heckspoiler sowie die BBS 8" und 9" x 16" BBS RS felgen mit 225/45er Bereifung ab. So kaufte Hinrich ihn dann 2012 und setzt ihn natürlich noch aktiv ein. 2013 hat er mit dem M3 an der creme21 Youngtimer Rallye teilgenommen und hat als Highlight zum Auftakt den Circuit de Spa-Francorchamps befahren dürfen.

Im Motorsport sind die BMW E30 M3 Sport Evos natürlich heute auch noch immer aktiv. Bei Bergrennen setzen z.B. René Frank und Christian Reuter ihre M3 DTM noch aktiv ein. Bei BWM folgte dann der Wechsel auf den BMW E36 M3 und dessen Sondermodell denn BMW E36 M3 GT, über den wir in kürze berichten werden. 

Weitere Infos zum BMW E30 M3 gibt es bei www.m3-klassik.de

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