Da ist er also nun - das neue ///M Fahrerlebnis steht auf unserem Hof und wartet darauf bewegt zu werden. Das komplett in Austin-Gelb gehaltene Top Sportcoupé der neuen 4er Baureihe mit der Bezeichnung BMW F82 M4 fällt auf wie ein bunter Hund in einem Rudel Wölfe. Deutlich aggressiver gestylt als sein V8-Motorisierter Vorgänger BMW E92 M3 läutete er bei BMW eine neue Typenbezeichnung für die Coupés der Baureihe ein. Was beim 6er und 2er BMW funktioniert, klappt hier dann logischerweise auch. Aber bevor alle Zeter und Mordio schreien - den M3 als Baureihe F80 - allerdings mit 4 Türen - gibt es natürlich auch noch. Also gebt der neuen Typenbezeichnung eine Chance - euer Auto hat ja schließlich auch vier Räder und nicht nur drei oder? Der M4 wird seit April 2014 gebaut und ist somit noch eher selten auf deutschen Straßen anzutreffen. Dementsprechend freuen wir uns, einen der ersten bei uns zu haben. Befeuert wird der BWM F82 M4 von einem 3 Liter großen Reihensechszylinder mit Doppel-Turboaufladung und stolzen, bitterbösen 431 PS unter schön geformten Haube nebst Powerdome. Damit besitzt der M4 Reiter insgesamt 11 Pferde mehr wie der BWM E92 M3, die aber mit ihren 4 Litern Hubraum etwas mehr  Platz hatten.

Der Motor ist im Prinzip ein von oben bis unten komplett umgekrempelter N55 Motor aus dem 435i, der da aber nur mit einem Lader zwangsbeatmet wurde.  Dafür weht nun im M4 Motor S55B30 einer flotter Wind mit BMW TwinPower Turbo Technik samt Direkteinspritzung und Valvetronic, die dem 1572 kg schweren Sportcoupé  zu vehementem Vortrieb verhelfen. Denn in nur 4,1 Sekunden galoppieren die die 431 Pferde und 550 Nm Drehmoment aus dem Stand los und durchbrechen die 100 km/h Schallmauer. Einen neuen Zylinderkopf, ein neues Kurbelgehäuse, zwei statt einem Lader sowie neue Pleuel und Kolben und leichterer Kurbelwelle - so lautet das zusammengefasste Rezept für den B55S30 Motor. Gut oder?

Na klar ist das gut. Die genannten Beschleunigungswerte werden natürlich nur in Verbindung mit dem endverfeinerten M-DKG Drivelogic, die auf 7 Fahrstufen zurückgreifen darf, erreicht.  Das muss man selbst mal erlebt haben. Ok, die Drivelogic im E92 M3 war schon Weltklasse, aber diese hier im M4 ist der absolute Wahnsinn.  Beim Runterschalten gibt es herrliche Zwischengasstöße, dass man gerne mal zurück schaltet.

Also erste Fahrstufe eingelegt und los geht’s. Das maximale Drehmoment liegt laut BMW in einem Drehzahlband zwischen 1.850 und 5.500 U/min. und dann nahtlos in das Leistungsmaximum übergeht und bis 7.300 U/min. ausreicht. Vorbei sind die Zeiten des Turbolochs, denn selbst aus dem Drehzahlkeller prescht der M4 nach vorne wie ein 3 Liter TDI Motor z.B. aus dem Audi A6 3.0 Bi-Turbo TDI, nur dass dem M4 dann nicht die Puste ausgeht sondern ab durch die Mitte bis zum Ende voll am Gas hängt. Ab 4.500 U/min. geht dem Fahrer die roten Lichter im Drehzahlmesser auf und weisen dezent auf den in kürze anstehenden Wechsel der Fahrstufe hin, der in einer affenartigen Geschwindigkeit und Präzision vollzogen, wie ich es vorher noch nicht erlebt habe.  Der Vortrieb endet entweder bei 240 km/h, dann hat der neue M4 Besitzer kein M-Drivers Package dazu bestellt - oder erst bei 280 km/h mit eben dem M-Drivers Package.

Mehr wäre sicherlich auch drin gewesen, aber man wollte bei BMW einen gewissen Abstand zu den Topmodellen M5 und M6 wahren. Bestandteil des M-Drivers Package ist nicht nur die Erhöhung der Endgeschwindigkeit sondern auch ein Fahrertraining auf einer Rennstrecke, die der das richtige Verhalten bei hohen Geschwindigkeiten trainiert wird, denn sonst wird aus schnell ganz schnell ganz langsam und ganz kaputt - und das will ja keiner.

Eine Heckspoiler-Lippe gibt es obendrein mit dazu, sowie eine Umprogrammierung des Steuergerätes. Den Motorsound mag man nun gar nicht mehr so richtig zuordnen können - er liegt irgendwo zwischen Reihensechser, hoch drehendem Vierzylinder Rennmotor à la E30 M3 und heiserem V10 aus dem alten M5 - alles in allem einem Soundbreifonie, die aber sehr gefällt. Im Sport Plus Programm wird das Ganze dann sogar noch mal verstärkt und der M4 nimmt das Gas nochmals besser an und grollt dank Klappensystem noch grummeliger. Im Vergleich mit dem handgeschalteten Porsche 997 Carrera 2S den wir mit dabei hatten, geht der M4 deutlich besser und verbraucht auch noch weniger als sein V8 Donnerbolzen Vorgänger den wir letztlich im Test hatten. Hat BMW nun den perfekten Sportler auf die Räder gestellt? Bisher sagen wir eindeutig ja, aber wir schauen erstmal weiter, denn neben dem Motor gibt es ja nun noch andere wichtige Komponenten im Gesamtbild.  Schnell gerade aus kann ja jeder oder sagen wir mal viele, aber wie sieht es mit Kurven und dem Bewegen des Fahrzeugs im Grenzbereich aus? Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier zeigt sich die wahre Kunst der M GmbH - die optimale Abstimmung eines Sportwagens. Was BMW und die M GmbH hier geschafft haben, ist glaube ich die perfekte Symbiose zwischen einem Serienstraßenwagen und einem Sportwagen - und das ohne Kompromisse.

Denn BMW entwickelt hier keinen reinrassigen Sportwagen wie einen Porsche 911, sondern man setzt auf einem Großseriencoupé auf und kreiert daraus einen sehr wettbewerbsfähigen Sportwagen mit absoluter Alltagstauglichkeit.  Um auf die ganzen Anforderungen einzugehen, gibt es direkt links neben dem Schaltwahlhebel 3 nette kleine Tasten mit umso größerer Wirkung. Hiermit wandelt sich der M4 von der komfortablen Reiselimousine zum rassigen, bockharten Sportgerät. Gerade das Fahrwerk mit der sehr breit einstellbaren Dämpfung zwischen Komfort und Sport Plus ist der Hammer und das wahre Meisterstück im M4. Was beim BMW E30 M3 mit der optionalen EDC im Ansatz begann, hat hier die wohl perfekte Endstufe erklommen, wenngleich auch die Leichtigkeit und das Wieselflinke des E30 M3 in Gänze verloren gegangen ist, denn der M4 ist ein ganz schöner Brummer geworden, und das merkt man auch. Für die schnelle Hatz über Deutschlands Landstraßen ist die "Emmi" eine ganz schöne "Emma" geworden.  Um wieder in den Genuss der quirligen Vergangenheit zu kommen, bedarf es wohl eines BWM M2, der ja noch kommen soll. Nichts desto trotz, die Lenkung - ebenfalls über eine der Tasten in mehreren Stufen anpassbar - ist über jeden Zweifel erhaben  und liefert tolle Rückmeldung von der Straße. Gepaart mit dem anpassbaren ESP, unterstützt es doch tatsächlich den Fahrspaß auf engen Strecken. Je nach Können des und Wollen des Fahrers kann dieser das ESP zwischen flüssig durchfahrend und leicht übersteuernd nahe des Traktionsabrisses abgestimmt werden. Ganz aus geht natürlich auch und macht, genügend Platz vorausgesetzt, auch beim Querfahren wieder mächtig Spaß.

Dieser Zustand stellt sich aber dank des enormen mechanischem Grip, erst deutlich später als beim E92 M3 ein. Dies trägt natürlich auch zu Rundenzeiten bei, die man sich wohl vorher so hätte nicht vorstellen können. Die toll konturierten M-Sportsitze halten den Fahrer jederzeit fest zwischen den Sitzwangen, während dieser das wulstige und toll verarbeitete M-Lenkrad in seinen Händen hält. Nicht nur fahrdynamisch setzt der M4 neue Akzente, auch beim Design geht BMW deutlich offensiver vor als bei seinen Vorgängern. Fette Lufteinlässe, aggressiv gestylt und bullig auf den 4 fetten 19 Zoll Rädern dastehende M4 zeigt das BMW sich nicht länger verstecken mag, warum auch?  Die Augen verfolgen jede Linie die an der Front beginnt und sich über die komplette Karosse weiterzieht bis zum knackigen Heck mit der Auspuffanlage und ihren vier Endrohren.  Das Dach des M4 ist komplett aus Sicht-Carbon gefertigt, die Haube aus Aluminium und der Heckdeckel aus GFK, so konnte zumindest etwas Gewicht eingespart und der Schwerpunkt weiter gesenkt werden. Ein weiteres schönes Detail, sind die Haifischähnlichen Kiemen an den Seiten die zur Bremsbelüftung dienen. Auch im Innenraum setzt sich die Ausrichtung auf einen Sportwagen deutlich fort. Die bereits angesprochenen hochwertigen M-Sportsitze, das wulstige M-Lenkrad mit den Nähten in M-Power Farben und den verlängerten Schaltpaddeln laden zum Fahren ein. Damit der Fahrer den Blick fürs Wesentliche nicht verliert gibt es ein HUD (Head Up Display) wie im Kampfjet. Ist eine ziemlich coole Sache, denn so können die Augen immer auf die Straße gerichtet bleiben und es werden einem wichtige Informationen wie Verkehrszeichen, Geschwindigkeit, Drehzahl und auch die Shiftlights angezeigt. 

Auf dem Lenkrad finden sich zwei über das iDrive konfigurierbare M-Tasten mit den persönlichen Vorlieben zur Anpassung des M4 Charakters. Einzig und allein das ziemlich steil stehende und vor allem fest installierte hochauflösende Display trübt etwas den sonst sehr stimmigen Gesamteindruck. Hier wäre ein versenkbares Display sicherlich optisch ansprechender, aber dies ist ja auch in den Großserienmodellen der 1er, 2er, 3er, 4er Modellreihe schon so. Ok wir meckern hier auf höchstem Niveau, denn wirklich stören tut es nicht, man gewöhnt sich eben dran. Selbst im Fond haben zwei Erwachsene auf den einzeln ausgeprägten Sitzen recht gut Platz und können dort für eine längere Tour bequem reisen. Als Fazit bleibt die eingangs aufgeworfene Frage übrig: Also doch der perfekte Sportwagen? Ja, der Eindruck lässt sich angesichts der fast nicht anzumerkenden Kritikpunkte, definitiv bestätigen und kann BMW und der M GmbH hierfür nur ein großes Lob aussprechen. 

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