Auf zur zweiten Runde. Dieses mal hat es uns in die wunderschöne Eifel, nahe Luxemburg verschlagen. Das Team von 100octane.de ist zu Gast bei der erfolgreichsten Deutschen Bergpilotin - Petra Höllerich. Gemeinsam mit der attraktiven, ehemaligen NSU und Formel 3 Pilotin Petra Höllerich (damals auch Wolpert-Höllerich) führte uns die Reise einer jungen Rennfahrerin, die die letzte Männerdomäne - das Autofahren - durcheinander zu mischen schien.

100octane: Frau Höllerich, wie und wann sind Sie im in den Motorsport eingestiegen?
Höllerich: Mein Vater ist bis 1956/57 Internationale Rundstreckenrennen mit dem Motorrad gefahren, dadurch wurde mir der Motorsport quasi schon in die Wiege gelegt. Mich hat damals schon das Bergrennen in Stadtsteinach als Zuschauerin interessiert. Bis ich dann im Fahrerlager die Leute vom MSC Sophiental kennen gelernt habe. Mit den Sophientalern (siehe rechtes Foto) bin ich dann eine Gleichmäßigkeitsprüfung auf dem Salzburgring gefahren. Dann kam 1981 die erste Begegnung mit dem NSU - einmal gefahren und am liebsten nie wieder hergeben. Eins stand fest - ich musste unedingt so ein Auto haben. Letztendlich konnte ich mir den Wunsch erfüllen und einen NSU in ziemlich desolatem Zustand erstehen.

100octane: Was kostete dieses Auto damals?
Höllerich: Das waren 3.200,00 DM für den NSU, dazu kamen noch 2.300,00 DM für den Hänger (sah aus wie eine Badewanne) und einen 5er BMW als Zugfahrzeug - das Geld dafür war eigentlich für die Eröffnung einer Boutique gedacht. Den NSU habe ich damals vom Kunz gekauft und hatte damals als oberste Farbschicht einen undefinierbaren Orange-Ton - darunter mindestens 5 weitere Farbschichten unterschiedlicher Couleur. Schlussendlich bekamen wir dann doch alle Farben herunter geschliffen und lackierten ihn in rosa.

100octane: Ein ähnliches Fahrzeug, wie Ihre Tochter Nicola jetzt auch am Berg einsetzt?
Höllerich: Nicht nur ein ähnliches Fahrzeug, sondern genau das Fahrzeug was ich selbst bis 1983 aktiv eingesetzt habe. Danach hat der Prinz dann seinen Dornröschenschlaf gehalten, bis wir 2006 das Auto neu für meine Tochter Nici restauriert haben.

100octane: Das klingt ja interessant - Mutter und Tochter auf ein und demselben Auto in zwei Epochen. Warum NSU?
Höllerich: Das hat sich zwangsweise so ergeben - einmal damit gefahren und man war hin und weg vom tollen Fahrverhalten dieses Autos. Zudem hat mir der NSU von Anfang an sehr gut gefallen.

100octane: Welches war Ihr erstes Rennen und welchen Platz belegten Sie?
Höllerich: Das erste Rennen bestritt ich am 1. Mai 1983 in Stadtsteinach, wo ich in meiner über 30 Fahrzeuge starken Klasse den 8. Platz belegte. Dabei wurde ich tatkräftig von meinem eigens angereisten "Helmbrechtser Fanclub" angefeuert. Das war damals schon was besonders - eine junge Frau im rosa Rennauto.

100octane: Wie konnten Sie damals die laufenden Kosten für Reifen, Benzin und Startgelder aufbringen?
Höllerich: Das war alles nicht so einfach - ich hatte ja nicht so viel Geld. Die Reifen habe ich mir von den Formelfahrern schenken lassen - ausgediente und verschlissene Formel 3 Reifen (vorne) und Formel 2 Reifen (hinten). Die Startgelder habe ich teilweise durch das anbringen von Sponsorenaufklebern erstattet bekommen, den Sprit musste ich allerdings selbst bezahlen. Dummerweise quittierte mein Prinz nach nur 3 Rennen schon den Dienst - kapitaler Motorschaden. Enttäuscht lies ich meinen Wagen stehen... Uwe Wolpert nahm den Wagen mit und richtete ihn wieder her, so dass er bis zum Homburger Bergrennen 1981 wieder fertig war.

100octane: Was sagte das vermeidlich "starke Geschlecht" zu Ihren Rennfahrer-Ambitionen?
Höllerich: Sagen wir es so - die Begeisterung über meine Rennfahrer-Ambitionen hielt sich doch sehr in Grenzen. Leider waren damals kleinere und auch größere Sabotageakte an der Tagesordnung - diese gingen vom "einfachen" zerstechen der Reifen bis hin zum herausdrehen der Vergaserdüsen. Was 1981, in Führung liegend, nach fulminantem Start mit einem kompletten Motorschaden endete. So etwas war schon arg böse und ich legte mir einen geschlossenen Hänger zu.

100octane: Für die Presse waren Sie ja damals die Rennamazone? Mochten Sie diese Betitelung?
Höllerich: Das war mir damals, ehrlich gesagt, ziemlich egal. Ein größeres Problem waren damals die vielen Fotografen, die einen auf Schritt und Tritt verfolgt haben. Gerade in der damaligen CSSR brach dort quasi ein regelrechter Hype um mich herum aus. Das mir die Fotografen nicht auf die Toilette gefolgt sind war schon fast verwunderlich.

100octane: Welchen Wagen und welche Rennen fuhren Sie in folgenden Jahren?
Höllerich: Nach dem NSU wechselte ich in die damalige Gruppe 6 und fuhr dort mit 2 NSU BRIXNER SPIDER in Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich, Schweiz und der CSSR.

100octane: Wann und warum erfolgte der Umstieg in die Formel 3?
Höllerich: Für die Saison 1984 wollte ich gerne ein schnelleres Fahrzeug haben und legte mir einen CHEVRON B38 zu. Zudem hat mich natürlich auch das riesige Startfeld in der Formel 3 schon sehr gereizt.

100octane: Woher bekamen Sie den Chevron B38 und in welchem Zustand war das Fahrzeug?
Höllerich: Ich holte das Auto mit meinem damaligen Ehemann Uwe Wolpert aus der Wiener Neustadt ab. Der Zustand war sehr gut - optisch wie technisch (siehe linkes Foto).

100octane: Das war aber ein riesiges Starterfeld in der Formel 3 - verglichen mit heute?
Höllerich: Wir hatten damals bis zu 24 Fahrzeuge allein in der Formel 3, dazu kamen noch die Formel 2, Vau, van Diemen und Gruppe 6 Fahrzeuge.

100octane: Was war Ihr persönliches Ziel in der Zeit?
Höllerich: Schnell Auto zu fahren natürlich. Meine Idee, dies mit einem MACO FORMEL 3 (siehe rechtes Foto) umzusetzen erwies sich leider als nicht sehr förderlich. Dieses Auto hat mich um Längen zurück geworfen. Ein schönes Auto reicht leider nicht, es sollte auch fahrbar sein - dies war der Maco leider nicht - es war eine absolute Krücke. Schön, aber ein absoluter Konstruktionsfehler.

100octane: Wie ging es in den folgenden Jahren weiter?
Höllerich: Dann kam eines meiner Lieblingsautos - der pinke RALT RT3 Formel 3. Ich kaufte Thomas von Löwis of Menar dieses Auto ab, welches dieser in seiner Laufbahn bei einem Unfall stark deformierte. Alle wunderten sich damals, wie Mann oder besser gesagt Frau mit solch einem krummen Auto nur fahren kann. Ich kam gut damit zurecht und konnte mich gut platzieren - z.B. beim Trierer Bergrennen 1987 wurde ich 3. in der Formel 3 Klasse mit einem Starterfeld von 24 Fahrzeugen!

100octane: Eines Ihrer schönsten Fahrzeuge war der BSR 393. Wie sind Sie an dieses Auto gekommen?
Höllerich: Oh ja, der BSR. Arnold Wagner kaufte dieses Auto 1991 von Bertram Schäfer aus Bitburg und wurde 2 mal damit Deutscher Bergmeister! Ab 1996 übernahm ich das Fahrzeug und gestaltete es in meinen traditionellen Farben (was meine Mechaniker überhaupt nicht begeisterte).

100octane: Und wie ging es dann weiter?
Höllerich: Nach einer längeren Pause kaufte ich mir 2001 den gelben Osella PA20/S von Martin Krisam.

100octane: Der gelbe Osella PA20/S war dann Ihr letztes aktives Fahrzeug am Berg?
Höllerich: Ja, ich fuhr dieses Auto nur in der Saison 2001. Ab 2007 unterstütze ich dann meine Tochter Nici am Berg.

100octane: Wenn Sie nun die Bergrennen von Heute mit denen von damals vergleichen, welche Zeit fanden Sie schöner?
Höllerich: Man kann das eigentlich gar nicht mehr vergleichen - damals und heute - es hat sich ja vieles verändert. Von der Atmosphäre her würde ich sagen, war es damals schöner als heute ist - im Allgemeinen gesprochen. Dieser familiäre Zusammenhalt ist eigentlich nur noch bei den NSUs so zu finden. Dazu kommt noch, dass die offenen Fahrzeuge am Berg leider auch immer weniger werden.

Hiermit möchte ich mich bei Petra Höllerich für das sehr nette Interview bedanken und hoffen, dass es Ihnen beim Lesen genauso viel Freude bereitet wie uns beim Interview.

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