Der dritte Interview Termin steht an. Dieses Mal zog es uns in die schöne Stadt Bückeburg im Weserbergland. Der sympathische, ehemalige Rennfahrer und Rennwagenkonstrukteur Dr. Theophil Hey erwarte uns in seinem Anwesen. Der Einblick in seine automobile Kuriositätensammlung hat nachhaltig Eindruck bei uns hinterlassen - aber lesen Sie selbst...

100octane: Herr Dr. Hey, wie und wann sind Sie im in den Motorsport eingestiegen?
Hey: Mein Vater fuhr bereits vor dem 2. Weltkrieg Motorradrennen (Zuverlässigkeitsrennen).Im Jahre 1951 fuhr ich nach Hannover um mir das Eilenrieder Rennen anzusehen. 1954, im zarten Alter von 12 Jahren, hatte ich mir vorgenommen, dort mit einer eigenen Seifenkiste an den Start zu gehen und bin ehrenvoller Letzter geworden. Der Versuch mich mit einem Lohmann Dieselmotor, mich zu motorisieren schlug fehl – leider lief das Ding überhaupt nicht. Als ich dann 1958 16 Jahre alt geworden bin, begann meine eigentliche Motorisierung mit einem REX Fahrrad Hilfsmotor, den ich für 20,00 DM erstanden habe.

100octane: Sie waren quasi von Motoren infiziert?
Hey: Ja, das kann man wohl sagen. Zu Hause war ich in der Zeit von 1958 - 1960 für die Wartung der familieneigenen Vorkriegs DKWs zuständig. Wir bekamen dann einen DKW F5 Roadster (Baujahr 1935) – der seltsamerweise nur dann nicht ansprang, wenn es mir nicht recht war. Das Auto bindet sich übrigens immer noch in meinem Besitz.

100octane: Wann bekamen Sie Ihr erstes Auto und was kostete es damals?
Hey: Es war ein DKW F5 Roadster. Dieses Fahrzeug erstand ich 1961 für den symbolischen Wert von 1,00 DM von meinem Vater und fuhr damit von 1961 bis 1962 zahlreiche Zuverlässigkeits- und Orientierungsfahrten. Teilweise fuhr ich auch mit meinem Vater zusammen auf einem Auto Union 1000SP.

100octane: Wie kamen Sie an Ihren ersten Rennwagen?
Hey: Mein Vater kaufte mir dann 1962 einen Formel Junior.

100octane: Wie groß waren die Starterfelder in der Formel Junior?
Hey: Damals waren 43 Starter unterwegs, wobei sich das Feld durch mehrere Vorläufe dann immer weiter ausdünnte.

100octane: Welches war Ihr erstes Rennen und wie konnten Sie sich platzieren?
Hey: Mit dem, von einem DKW Motor angetriebenen Auto, sammelte ich 1962 und 1963 beim Flugplatzrennen in Achum (Bückeburg) meine ersten Rundstreckenerfahrungen. Ich fuhr dann z.B. gegen Jochen Rindt, Kurt Ahrens (sen. und jun.) und Gerhardt Mitter.

100octane: Welche Rennen und Fahrzeuge fuhren Sie in den kommenden Jahren?
Hey: Im Oktober 1963 verunglückte mein Vater tödlich bei der Weser-Ems Orientierungsfahrt. Nach dem Tod meines Vaters war erst mal Pause und an keine eigenen Motorsportaktivitäten zu denken. Dazu kamen dann erst das Studium, dann mein beruflicher Werdegang und die Geburt meines ersten Sohnes.

100octane: Wie ging es dann für Sie motorsportlich weiter?
Hey: Fahrerisch erst mal nicht – 1964 und 1965 habe ich die ersten DKW F12 für gute Bekannte (Helmut Leukert und Heinrich zur Mühlen), die Rundstreckenrennen fuhren, vorbereitet und diese als Rennmonteur begleitet.

100octane: Wann konstruierten Sie Ihren ersten Rennwagen?
Hey: Während der Semesterferien (Medizinstudium) konstruierte dann meinen ersten Rennwagen - den Hey Mark I. Immer wenn ich wieder 70,00 DM zusammen hatte, kaufte ich mir fortan weitere Aluplatten um das Chassis weiter zu bauen. Die Elva Karosserie bestand aus Kunststoff und einem Gitterrohrrahmen. Daraus entstand dann der Mark I. Angetrieben wurde das Auto von einem DKW F12 Rennmotor.

100octane: Wie ist die Verbindung zu Heinrich zur Mühlen zu Stande gekommen?
Hey: Ich wollte damals meinen DKW F5 Roadster verkaufen und mir einen DKW F12 kaufen. Es wollte aber keine die über 3.000,00 DM bezahlen, die ich dafür haben wollte. Dann kam Helmut Leukert und fragte ob ich auch Autos bzw. Motoren modifizieren würde. Für das Flugplatzrennen Trier 1964 bereitete ich einen F12 Motor vor. Auf der Fahrt lernte ich dann Heinrich zur Mühlen kennen. Er hat dann den DKW F12 von Helmut Leukert übernommen und dafür seinen MG TD verkauft. Damit habe ich dann die Betreuung dieses Wagens genommen. Ich hatte damals den stärksten DKW Motor - das war 1965. Der Motor ist leider 1965 auf dem Nürburgring mit Zylinderkopfdichtungsdefekt kaputt gegangen.

100octane: Was machten sie in der Zeit nach dem Defekt?
Hey: Ich entwickelte von 1965 bis 1969 den Mark I weiter. Dieser Wagen ist 1969 und 1970 unter Heinrich zur Mühlen bei 2 Bergrennen und 3 Rundstreckenrennen angetreten.

100octane: Waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Hey: Ich merkte dann alsbald, dass ein Mittelmotorauto mit Rohrrahmen besser sein würde. Der Mark II sollte eine komplette Neukonstruktion werden. Ich bestellte 1971 die entsprechenden Rohre und meine Mutter wollte mir das nicht so ganz abnehmen, dass ich ein Auto bauen wollte. Als Motor diente F12 Rennmotor mit VW Getriebe und selbst angebauten innenliegenden Scheibenbremsen.

100octane: War das der einzige Motor in diesem Fahrzeug?
Hey: Oh nein, in dem Auto wurden insgesamt 4 verschiedene Motorvarianten eingesetzt. Nach dem DKW F12 Rennmotor, setzte ich 1973 DKW V6 2-Takt Müller-Andernach Motor mit Hewland Mk8 Getriebe (5 Gang) ein. 1974 kam der Borgward RS 1000ccm Motor von Ernst Maring aus Braunschweig. Als dieser kaputt war kaufte ich mir im August 1974 der 1300er Ford BDA Motor mit 139 PS. Als ich dann die Kugelfischer Einspritzung an den Motor baute, läuteten wir die richtig erfolgreiche Zeit für den Mark II ein.

100octane: Wann kam der erste Renneinsatz für dieses Fahrzeug?
Hey: 16.7.1972 am Risselberg, dann Höxter.Nach dem Einbau der Kugelfischer Einspritzung, kam der Erfolg und Heinrich konnte sich mit dem Auto sehr gut platzieren.Heinrich hat den Mark II 26 mal und ich 24 mal gefahren – darunter 20 Siege, 8 zweite und 9 dritte PLatzierungen. 1977 hat Heinrich aufgrund der Geburt seines 2. Sohnes aufgehört zu fahren, was mich 1979 dazu veranlasste den Mark II an Klaus Stibitzky – allerdings ohne Motor und Getriebe – zu verkaufen.

100octane: Wann kamen der Mark III ins Spiel?
Hey: Das war 1979, als mich meine Frau fragte, ob ich nicht wieder einen Rennwagen bauen wollte. Im Herbst 1979 erstelle ich die ersten Konstruktionspläne, sowie ein Holzmodell vom Gitterrohrrahmen des Mark III. 1980 bin ich in Schaumburg mit dem Mark III gegen Klaus Stibitzky in meinem ehemaligen Mark II gefahren.

100octane: Welche Motoren fuhren Sie im Mark III?
Hey: Am Anfang wurde der Mark III von meinem DKW V6 2-Takt Müller-Andernach Motor befeuert und fuhr damit 3 Bergrennen. Dann kam 1981 – 1983 der 1300er BDA Motor, den ich für 21.500,00 DM von Erich Zakowski kaufte. Der Motor war sehr gut, extrem zuverlässig und sehr schnell. 1984 folgte der Versuch mit einem 2L V6 2 Takt Mercury Boots Motor. Der Motor war zu brutal, das Leistungsband zu spitz und dadurch unfahrbar und wurde nach einem halben Jahr wieder entfernt. Von Karl Manzel lieh ich mir 1985 einen Formel 2 Motor – für 1.000,00 DM pro Rennen. Aus finanziellen Gründen baute ich dann den BDA Motor wieder ein.

100octane: Was war damals der größte Erfolg?
Hey: Neben mehreren Klassensiegen 1983 war aber 1981 das erfolgreichste Jahr des Hey Gruppe 6 Wagens mit Ford BDA Motor. Endresultat war Platz 3 im Deutschen Sportwagen Pokal!

100octane: Wann haben Sie den Entschluss gefasst, sich vom Berg abzukehren?
Hey: Wir fuhren dann nur noch sporadisch am Berg und 1987 fuhr ich dann meine letzten 5 Rennen mit dem Mercury Bootsmotor und die Ära der „Flachmänner“ also der Gruppe 6 war beendet. Ab 1989 unterstütze ich meinen Sohn Theophil Hey jun. im VW Polo Cup und 1990 und 1991 in der Formel König.

100octane: Wie sind Sie dann an den DKW F12 gekommen?
Hey: Meinen Jugendtraum, den DKW F12, habe ich 1993 von Peter Hensel bekommen. Den Wagen habe ich dann langsam aufgebaut. Im Jahre 1999 wurde er zum ersten Mal auf dem Nürburgring zur Probe gefahren. Am 31.03.2003 ging ich dann in den wohlverdienten Ruhestand. Ab der Saison 2004 bin ich dann angefangen intensiv Rundstrecken Rennen im KW Gruppe H Sprint Cup zu fahren. Bis ich 2005, auf Anraten von Dr. Rolf Hemmersbach, in die HTGT Historische Tourenwagen und GT Trophy gewechselt bin.

100octane: Wie erfolgreich sind Sie dort unterwegs?
Hey: Schon sehr erfolgreich. Ende 2005 bereite ich dann ein Auto für meinen Sohn auf um auf insgesamt min. 3 Starter in der Klasse zu kommen, da sonst im Gesamtklassement nicht die volle Punktzahl vergeben wird. 2006 wurde ich Klassensieger und auch Gesamtsieger unter ca. 50 Teilnehmern. 2007 wieder Klassensieger und Dritter im Gesamtklassement. Im letzten Jahr (2008) wurde ich wieder Klassensieger und Vizemeister. Die Motoren sind mittlerweile wesentlich zuverlässiger als früher - da konnten wir damals nur von träumen. Aktuell sind beide Autos sehr gut für die Saison 2009 vorbereitet. Wie in all den Jahren und Jahrzehnten liegen die Konstruktionen, die Erstellungen, die Vorbereitungen und all die anderen Organisationen in meiner Hand.

Wir bedanken uns bei Dr. Theophil Hey für die freundlich Aufnahme und den interessanten Einblick in seiner Vergangenheit. Weiterer Dank gilt Erich Rostek, den Kontakt hergestellt hat.

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