Mit auf die tausendstel Sekunde gezeiteten Bergprüfungen oder Rundstreckenrennen hat die creme21 youngtimer rallye zwar wenig gemeinsam, für die Fans der „in die Jahre gekommenen Gebrauchtwagen“ ist Europas größte Youngtimer Rallye mit knapp 200 Startern, Teams aus 7 Nationen und 29 verschiedene Automarken aus den 70er und 80er Jahren aber trotzdem ein absolutes Highlight des Veranstaltungskalenders.

Die 13. Auflage der „creme“, wie die Rallye in Kultkarrenkreisen einfach kurz genannt wird, begann am 17. September rund um den „Schuppen Eins“, dem „Zentrum für Automobilkultur und Mobilität“ in der Bremer Überseestadt. Nach der Einschreibung, der technischen Abnahme der jungen Oldies durch den AvD und der offiziellen Begrüßung des Veranstalterteams vom Oldenburger Youngtimer Club e.V. starteten die Teilnehmer direkt an der Weserpromenade zum Abendprolog nach Rastede, wo der örtliche Automobilclub auf dem Marktplatz bei einsetzender Dunkelheit in toller Atmosphäre eine Fahrzeugvorstellung zur Etappenzieleinfahrt organisiert hatte.

Am folgenden Donnerstag ab 9 Uhr gingen die 193 Youngtimer dann im Minutenabstand von einem Oldenburger Möbelhausparkplatz auf die erste Wertungsroute durch das sonnige Niedersachsen in Richtung Süden. 

Navigiert wird bei der „creme“ nach einem tabellarisch aufgebauten Roadbook mit Angaben zur zu fahrenden, partiellen km-Distanz, zum Standort, zur Richtung und zur Fahrrichtung, die der Copilot an den Fahrer weitergeben und kontrollieren muss. Während der Etappen müssen sich die Teams bei beschilderten Parkplatzstopps nahe der Route immer wieder Wertungsprüfungen stellen, die in Form von Gesellschaftsspielen, „Schlag den Raab“- ähnlichen Geschicklichkeitsaufgaben, Prüfungen mit dem Fahrzeug oder anderen, von dem als „Staffies“ benanntem Rallyeteam erdachten, Nettigkeiten auftreten können. So darf man unter anderem auch täglich 21 Sekunden in ein Köfferchen, was wohl aus dem Kinderzimmer eines „Staffies“ überlebt hat, schauen und sich den wechselnden Inhalt merken. Zu diesem wird dann bei einem späteren Halt eine Frage gestellt, die sich auf Inhaltsdetails bezieht. Mit einer klassischen Oldtimerrallye hat die „creme“ also wenig gemeinsam. Soll aber auch nicht, hier steht der Spaß und das touristische Fahrerlebnis im Vordergrund. So sieht man auch bei der abendlichen Siegerehrung nicht immer die gleichen Gesichter die Preise abräumen, denn häufig gehört auch ein bisschen Glück zum Sieg dazu. 

Zurück zur ersten der beiden Tages-Etappen am Donnerstag. Auf dem Weg in das Schaumburger Land musste ein Kleingeldbetrag von knapp 7 DM in Gedenken an die ehemalige deutsche Westwährung möglichst schnell und richtig gezählt werden. Eine lösbare Aufgabe für die Teams die schnell gemeistert ist und nicht lange von der Weiterfahrt aufhält. Ende des Vormittags-Stints war später am Bückeburger Schloss zur Mittagsrast. Hier bestand anschließend die Möglichkeit als Verdauungsspaziergang kurz das nahegelegene Hubschraubermuseum zu durchwandern.

Schon erstaunlich was hier so alles fliegen soll, von skurrilen Eigenbauten in puristischer Leichtbauweise bis zum Bananenhubschrauber ist man gut sortiert. Von Bückeburg aus ging es dann weiter gen Südosten nach Alfeld im Großraum Hannover, wo mit dem Fagus-Werk aus 1911, was 2011 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde, Industriekultur der Spitzenklasse zu umfahren war und dabei auf einem Fragebogen 10 betagte Werbeslogans den Produkten zugeordnet werden mussten. Anschließend ging es dann weiter Richtung Harz mit dem Ziel Maritim Hotel in Braunlage. Unterwegs musste noch Holzlabyrinth, also das Spiel wo die Kugel auf dem Weg durch den Irrgarten nicht in die Löcher fallen darf, gespielt werden und die Kofferfrage beantwortet werden. Man suchte hier das genaue Datum der diesjährigen Le Mans Classics, was auf einem Aufkleber, der sich unter vielen anderen Dingen im Koffer befand, zu entdecken war. Nicht unbedingt leicht zu merken, dieses Detail, aber hier trennt sich dann halt die Spreu vom Weizen. 

Das Starterfeld der „creme“ war auch in diesem Jahr wieder bewusst vom Veranstalter breit aufgestellt. Von Kleinwagen wie zum Beispiel Citroen 2CV alias Ente, VW 1300 aka Käfer, Fiat 500 oder Opel Corsa über Sportwagen wie Ford Capri, VW Scirocco, Opel Manta, Triumph Spitfire oder Alfa Montreal bis zu Boliden wie Ford Mustang Mach1, Buick Riviera, BMW 635csi oder Mercedes SL 500 waren zahlreiche Fahrzeugvarianten im Rallyefeld vertreten. So konnten viele Zuschauer am Straßenrand ihr damaliges Alltagsfahrzeug im Rallyefeld mit dem faszinierten Kommentar „den hatte ich auch mal“ wieder entdecken, und das als Anstoß nehmen ihrem Nachwuchs von den damaligen Erlebnissen mit diesem Schätzchen zu berichten. 

Am Freitag ging es dann von Braunlage aus Richtung Osten zur „Stadt aus Eisen“ Ferropolis in Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Wertungsprüfungen auf dem Weg dorthin waren ein Zitate Memory, wo man losgelassene Sprüche berühmter Persönlichkeiten deren Bildern zuordnen musste, und als Geschicklichkeitsaufgabe das senkrechte fallen lassen von 10 Bleistiften nacheinander in aufgestellte, leere Mineralwasserglasflaschen aus ca. 1,20 m Höhe, was sich als nicht ganz einfach erwies. Wer lange Weile hat kann es ja einfach mal zuhause ausprobieren, das notwendige Equipment ist ja schnell beschafft.

Auf „Ferropolis“ gab es vor dem Mittagessen noch Pümpelwerfen auf eine senkrecht stehende Spanplattenzielscheibe zu bewältigen. Man hatte hier 3 Wurfversuche das Abflußreinigungsutensil am Holzwerkstoff per Sog zu befestigen. Je öfter der Pümpel fest pappte, je besser war das Prüfungsergebnis. Danach gab es Gegrilltes oder Pasta in der Orangerie zur Auswahl und einen Verdauungsspaziergang um die Braunkohlebagger zum wassergeflutetem, ehemaligen Abbaugebiet, dem heutigen Gremminer See. Als nächstes Stand das Überfahren von 2 hupenden Holzkeilen mit dem rechten Vorderrad auf einem Möbelhausparkplatz in Dessau auf dem Programm, bevor es dann zum Tages-Highlight Motorsport Arena Oschersleben weiter ging. Hier angekommen musste in der Boxengasse eine kurze GLP in 21 Sekunden gefahren werden, damit man sich 5 Runden hinter dem Pacecar auf dem knapp 3,6 km langen Mickey-Mouse-Kurs mit Überholerlaubnis auf den Geraden verdient hatte. Eine coole Nummer mit hohem Spaßfaktor, mit Sicherheit eins der absoluten Highlights der 2014er „creme“. Ziel war auch am Freitag wieder das wohl mit viel Pflegeaufwand und wenig Reinvestition der Einnahmen im 70/80er-Jahre-Einrichtungsstil erhaltene Maritim-Hotel in Braunlage. Im Koffer befanden sich Freitag übrigens 5 Ferrari-Lego-Beutel von einer Tankstellenkette, die das tägliche Schnäppchentanken zwischen 18 und 20 Uhr, zum Leidwesen der Bevölkerung, mit erfunden hat. 4 Tüten mit Fahrzeugen und eine mit Mechanikern und Werkstattausrüstung waren im Kinderzimmer-Gepäckstück deponiert, gefragt wurde nach der Anzahl der Räder zusammen aus allen 5 Beuteln. Wie viele sind es also gewesen?

Die Routenführung der „creme“ führt die Teilnehmer im wesentlich über Land- oder Kreisstraße, welche natürlich sehr fahraktiv und damit schön kurvig umgesetzt werden. Bundesstraßen oder Autobahnen werden wegen der mangelnden Freude beim Befahren mit dem Youngtimer möglichst vermieden. Streckenscout Martin Vorwahl hat mittlerweile einen sehr guten Riecher für die richtigen Pisten, er hat auch dieses Jahr wieder traumhafte Routen im Roadbook verewig. Vielen Dank dafür noch einmal an den „Streckengott“, wie der gute Martin häufig liebevoll genannt wird. 

Am Samstag startete das Feld erneut von Braunlage aus zu ersten Stopp am Fahrzeugmuseum Benneckenstein, wo ein wenig Ostalgie in Form von Militärgerät, Fahrzeugen, Campingequipment und Spielzeug zu besichtigen war. Auf dem Parkplatz mussten in einer Tabletpräsentation 10 Filme oder Serien aus den 70ern wie z.B. Dirty Harry, Mad Max oder Soko5113 in einem Zusammenschnitt von 2 min. erkannt und notiert werden. Danach wurde westwärts Richtung Hannoversch Münden gefahren, wo vor der Mittagspause noch ein strategisches Würfelfeldspiel gegen ein Wettbewerbsteam bestritten werden musste. Nach der Mittagspause ging es dann gleich beim nächsten Halt spielerisch weiter, ein Puzzle aus Styroporteilen musste in möglichst kurzer Zeit in eine Kiste passgenau eingesetzt werden. Auch der Koffer und die dazugehörige Frage war natürlich wieder Programm. Die Staffies waren einkaufen und haben die erworbenen Artikel in den Koffer gepackt. Gefragt wurde dann später nach dem Gesamtwert der Einkäufe wie Dosenbier, H4-Birne, Lollis, Vampirgebiß etc. in Euro. 18,33 € wurde hier in die verwertbaren Artikel investiert, wie bei der Tagessiegerehrung später nach dem Abendessen bekannt gegeben wurde. Etappenziel am Samstag war das Lenkwerk in Bielefeld, wo die letzte Tagesaufgabe bewältigen werden musste. Es waren 10 Märchen wie z.B. Rumpelstilzchen und Schneewittchen aus modernen Umschreibungen/Schlagzeilen zu identifizieren und zu notieren. 

Ab 20.30 Uhr fand dann die große Abschlußparty in der Fahrzeughalle des Lenkwerks statt. Viele Teilnehmer erscheinen hier traditionell im Style der 70er mit Kotletten, Batik T-Shirt, Schlaghosen, Plateauschuhen o.ä., so dass hier einige recht schrille Erscheinungen zu bewundern waren. Für super Stimmung sorgte die Bremer Band „Flying Soul Toasters“, so dass die Tanzfläche vor den verglasten Einstellboxen mit ihren eingeparkten Boliden bis tief in die Nacht gut besucht war. Eine geniale Party auf der es an nichts fehlte, vielen Dank für die gute Organisation an das Team vom Lenkwerk und den Unterstützungspartner Opel. 

Am Sonntagmorgen beim Start der letzten Etappe am Lenkwerk in Bielefeld wurden die abfahrenden Fahrzeuge vom stellvertretenden Chefredakteur der AutoBild klassik Christian Steiger dem Publikum in einer interessanten Moderation vorgestellt. Beim Warten auf die Abfahrt mussten die Teams 5 Interieurbilder von Fahrzeugen aus den 70/80ern der Marke und Typenbezeichnung zugeordnet werden. Hier waren unter anderem ein BMW E3, ein Hanomag Henschel und ein Talbot Matra Rancho gefragt. Ziel der 51 km kurzen Schlussetappe, und damit auch der 1.050 km langen, gesamten creme21 youngtimer rallye 2014, war beim Transportgerätehersteller fetra in Borgholzhausen. Hier musste der Youngtimer als letzte WP noch möglichst genau in einem Abstand von 1,5 m rückwärts vor einen Transportwagen geparkt werden, bevor man dann endgültig nach 5 Tagen hartem Rallyeeinsatz das Zieltor durchfahren durfte.

Nach einer kurzen Mittagspause bei Manta-Platte oder Pflaumenkuchen fand die Siegerehrung der diesjährigen Gesamtsieger statt. Als Preise wurden hier wieder original Relikte aus den 70er Jahren in kräftig leuchtendem orange überreicht. Platz 1 belegte der Bielefelder Jan-Hendrik Linnenkamp mit seinem Beifahrer Robert Stephan aus dem Spreewald auf einem 1975er Golf 1 L, sie wurden mit einem Reiseplattenspieler und einem dazugehörigen Vinylscheibenalbum im Flowerpower-Style für ihren unermüdlichen Rallyeeinsatz belohnt. Platz 2 ging an Rainer Gellrich und Matthias Sils auf einem 1990er BMW 318iS und auf den 3. Platz schafften es Christiane und André Lehmanski auf einem 1987er Audi Urquattro. Alle weiteren Platzierungen können auf der Internetseite der creme21 rallye eingesehen werden. Die „creme“ war auch dieses Jahr wieder eine klasse Veranstaltung mit tollen Highlights und hervorragender Durchführung.

Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an das gesamte Organisations-Team rund um die Oldenburger „Youngtimerrallye-Erfinder“ Martin Vorwahl, Alexander Mrozek und Oliver Borgmann.

Die 14. creme21 youngtimer rallye wird voraussichtlich vom 16.-20. September 2015 stattfinden.

Die Nennung wird ab Januar 2015 auf www.creme21-rallye.de möglich sein.

Weitere Fotos gibt es unter unserer Rubrik Fotos.

Weblinks:

www.schuppen-eins.de

www.hubschraubermuseum.de

www.fagus-werk.com

www.ferropolis.de

www.motorsportarena.com

www.mts-oldtimermuseum.de

www.lenkwerk-bielefeld.de

www.flyingsoultoasters.de

www.fetra.de

Fahrplan

Mittwoch, 17.9.2014

Warm-up-Party Schuppen Eins in Bremen mit anschließendem Prolog

Donnerstag, 18.9.2014

1. Etappe Oldenburg – Bückeburg 155 km

2. Etappe Bückeburg – Alfeld (Fagus-Werk) – Harz (Okertalsperre) - Braunlage 186 km

Freitag, 19.9.2014

3. Etappe Braunlage – Ferropolis („Stadt aus Eisen“) Gräfenhainichen 181 km

4. Etappe Ferropolis – Oschersleben (Motopark) – Braunlage 195 km

Samstag, 20.9.2014

5. Etappe Braunlage – Benneckenstein (Fahrzeugmuseum) - Hann. Münden 120 km

6. Etappe Hann. Münden – Bielefeld (Lenkwerk) 162 km

Sonntag, 21.9.2014

7. Etappe Bielefeld – Borgholzhausen (fetra) 51 km

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