Isle Of Man TT – heißer Motorsport jenseits des Mainstreams

Die Durststrecke der deutschen Formel-1-Fans ist zum Glück bald beendet, denn nach langer Pause im Jahr 2015 kehrt die Königsklasse des Motorsports diesen Sommer zurück auf den Hockenheimring in Deutschland. Doch gerade diese Unterbrechung brachte manchen Freund heißer Renn-Action dazu, auch einmal in andere, weniger populäre Formate reinzuschnuppern. Dabei hat vielleicht so mancher Motorsportfreak richtig Feuer gefangen, denn es gibt sie tatsächlich noch, die Rennen, wo der eigentliche Sport noch ganz im Zentrum allesn Handelns steht! Vielleicht ist es auch ganz einfach mal an der Zeit, endlich über den Tellerrand der üblichen Mainstream-Klassiker zu blicken und sich aufzumachen zu neuen Ufern: Bei Formel-1 und NASACAR scheint es hauptsächlich noch um Profit zu gehen während andere Formate schlichtweg auf Rennspaß pur setzen!

 

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Neben dem brandneu ins Leben gerufenen Audi Sport TT Cup und der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft besitzen noch weitere Nischenformate das Potential, Rennsportfans ganz neu für ihr actionreiches Hobby zu begeistern. Echte technische Highlights und Fahrer auf dem Weg zum Weltklasse-Niveau gibt es auch – wer hätte das gedacht? – bei den motorisierten Zweirädern zu bestaunen. Die Tourist Trophy der Isle of Man, kurz Isle of Man TT, bietet sich hier als prägnantes Beispiel an. Sie findet bereits seit dem Jahr 1907 statt und hat über Jahrzehnte nichts an ihrem einzigartigen Reiz verloren. Die kleine Insel in der Irischen See bildet die perfekte Kulisse für ein heißes Rennen hart am Limit, das leider auch schon so manches Opfer gefordert hat. Seit 1911 sollen insgesamt 242 Rennfahrer auf dieser Strecke ihr Leben gelassen haben – die Gefahr lauert hier in jeder Kurve. Auf manchen Motorradfreak übt aber gerade dieses hohe Risiko eine schon fast magische Anziehungskraft aus – andere Fahrer wiederum steigen trotz der Gefahr in das Rennen ein. Die Tourist Trophy ist und bleibt umstritten, nichtsdestotrotz besitzt sie bereits einen festen Platz im Kalender zahlreicher passionierter Motorsportfans.

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Für das sagenhafte Rennen bleibt die prominente Unterstützung natürlich nicht aus: Weltweit agierende Konzerne wie Dunlop, Monster Energy oder auch Online-Poker-Gigant PokerStars werfen ihre Namen ins Rennen, um die TT kräftig zu fördern. Der Online-Anbieter ist selbst ansässig auf der Isle of Man und bringt sich als Titelsponsor des sechs Runden währenden Senior Rennens ein. Bereits seit 2007 unterstützt der Online-Anbieter die TT, das Unternehmen kreierte sogar einen eigenen »Spirit of TT«-Award, als Auszeichnung für rennsportbegeisterte Personen, die ganz besonderen Einsatz für das spannende Motorrad-Event zeigen. So wird die TT sicher in den nächsten Jahren noch weiter ins Licht der Öffentlichkeit rücken und immer mehr Fans in ihren Bann ziehen.

Die Tourist Trophy unter der Lupe: Aktuelles und Historisches

Der Parcours verläuft auf den normalen Straßen der Insel, er wird als Snaefell Mountain Course bezeichnet. Während der Trainingsfahrten und des eigentlichen Rennens muss der Individualverkehr auf andere Routen ausweichen: Also ein echtes Straßenrennen nach alter Manier, ohne sorgfältig berechnete Kurven und Geraden. Etwa 60 km legen die rasanten Maschinen auf der Rennstrecke zurück, Start- und Zielort ist die Inselhauptstadt Douglas. Auf dieser langen Strecke besteht für die Fahrer kaum die Möglichkeit, sich alle wichtigen Kurven inklusive ihrer Bremspunkte zu merken; hier sind ganz einfach fahrerisches Können und eine untrügliche Intuition gefragt. Der Rundparcours stellt höchste Ansprüche an jeden Teilnehmer und natürlich auch an die Technik der Zweiräder, die immer wieder mit neuen Verbesserungen aufwartet. Gestartet wird zeitversetzt, ein gemeinsames Starterfeld wäre auf der Strecke einfach zu gefährlich. Das schnellste Rennen wartet mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 200 km/h auf – und das, obwohl der Parcours von scharfen Kurven nur so strotzt. Beim normalen Motorrad-Grand-Prix liegt das Tempo beinahe 50 km/h niedriger! Die Maschinen rasen zwischen Steinwänden und Gebäuden hindurch, über Brücken hinweg und an steilen Böschungen entlang – einigermaßen sichere Sturzräume gibt es kaum. Da bricht nicht nur manchem Zuschauer der kalte (Angst)-Schweiß aus!

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Richtig irre wird es dann am Mad Sunday, wenn ein Teil der Strecke für den Normalverkehr in einer Richtung freigegeben wird. Früher galt diese Regelung für die gesamte Strecke, heute betrifft es nur noch die Mountain Road von Ramsey bis nach Creg Ny Baa. Doch das reicht schon, um für heftige Adrenalinstöße zu sorgen! Die beteiligten Fahrer des Privatverkehrs wissen hoffentlich genau, auf was sie sich einlassen, wenn sie sich am verrückten Sonntag für die Mountain Road entscheiden.

Starke Rekorde und waghalsige Fahrten

Der bislang schnellste Fahrer der Isle of Man TT trägt genau den passenden Namen: John MCGuinness schlug 2015 den Streckenrekord und schaffte es damit vielleicht tatsächlich ins Guinness-Buch der Rekorde: Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 214 km/h absolvierte er den Parcours in 17 Minuten und 3,567 Sekunden. Mal sehen, wie lange diese fantastische Bestmarke Bestand haben wird!

Im Jahr 1954 wagte sich zum ersten Mal eine Frau auf die rasante Piste, gemeinsam mit ihrem Rennpartner erreichte Inge Stoll in der Gespann-Kategorie den 5. Rang. Drei Jahre später probierte sie es noch einmal, schied dann aber aufgrund einer Verletzung aus. Der Brite Joey Dunlup, der bis zu seinem Tod im Jahr 2000 als einer der erfolgreichsten Straßenrennfahrer aller Zeiten galt, holte sich volle 26 Mal den Sieg auf der Isle of Man. Nicht umsonst trug er den prägnanten Titel »King of the Roads«. Er ließ sein Leben bei einem Rennen in Estland, sonst hätte er womöglich noch die 30 Siege vollgemacht.

 

 

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Auch deutsche Rennfahrer schafften es im TT bis an die Spitze, der erfolgreichste von ihnen ist der Motorrad-Veteran Siegfried Schauzu. Er trat ebenso wie Inge Stoll im Seitenwagen-Rennen an, gemeinsam mit Wolfgang Kalauch bzw. Horst Schneider. Auf seiner BMW räumte er in den Jahren 1967 bis 1975 neunmal hintereinander den Siegespreis ab. Insbesondere sein herausragender Kurvenstil brachte ihm den Nicknamen »Sideways Sid« ein, auch die Deutsche Seitenwagenmeisterschaft konnte er sechsmal für sich entscheiden. Historische Erfolge auf der Isle of Man feierten auch Ewald Kluge in der 250er-Klasse im Jahr 1938 und Georg »Schorch« Meier auf BMW 1939 in der vielbestaunten 500er-Klasse. Kluge war der erste Deutsche, der den 1. Platz in einem TT-Rennen erreichte, der „Gusseiserne Schorsch“ war ihm mit einem Jahr Zeitverzögerung dicht auf den Fersen.

 

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Was viele nicht wissen: Audi nannte seinen TT nach der Isle of Man Tourist Trophy, was sicher auch auf Ewald Kluges grandiosen Sieg mit seiner DKW zurückzuführen ist. Ein weiterer Beweis dafür, dass die TT als historisches Motorradrennen auch in der Gegenwart noch hochaktuell ist und in Zukunft beste Chancen hat, wieder mehr Zuschauer und Profi-Fahrer für sich zu begeistern. Denn hier haben nervenzerreißende Spannung und atemberaubende Stunts noch ihren festen Platz!

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