Der wahre Motorsportfan spricht ja nicht in Feiertagen oder von einem Datum, nein er spricht in Veranstaltungen, wenn er über seine Terminplanung erzählt. So verkommt der 1. Mai als Eschdorf und Pfingsten eben als Wolsfeld -  und das ist auch schon seit nun 53 Jahren so. Nämlich genauso lange gibt es das Wolsfelder Bergrennen im kleinen Ort Wolsfeld in der Südeifel. Unlängst der Grenze zum Nachbarland Luxemburg führt eine 1,6 km lange Strecke mit vielen schnell aufeinander folgenden Kurvenkombinationen den Wolsfelder Berg hinauf. Der Flug durch die "kleine Grüne Hölle" gleicht dem eines Hubschrauberfluges im heimischen Wohnzimmer. Gerät man hier einmal aus dem Tritt läuft man Gefahr den Schrank, ähm pardon, eine Leitplanke oder Hang zu knallen. Action ist also immer eine Menge geboten und das Team vom EMSC Bitburg mit seiner erfahrenen Führungsspitze Christoph Schackmann und Günther Hoor, tun alles für einen tollen Rennablauf.  Dem Ruf des Berges folgten knapp über 130 Starter aus Deutschland und dem benachbarten Ausland. Auch wieder mit dabei war das Schweizer Bergurgestein Bruno Ianniello auf seinem Lancia Delta S4 16V. Man könnte meinen, als die Italiener den S4 gebaut haben, hätten sie ihn genau für den Wolsfelder Berg gebaut. Wohl kein anderes Auto ist so perfekt für diese Bergrennstrecke konstruiert - kurz, Allrad, doppelt mittels Kompressor und Turbolader zwangsbeatmet, sprintet der S4 wie ein Derwisch den Berg hinauf - virtuos bewegt vom immer gut aufgelegten Bruno Ianniello.

Am Trainingssonntag sah auch noch alles nach einem ungefährdeten Tourenwagensieg für Bruno aus, doch eine kleine Wetterkapriole am Rennmontag mischte alles oberhalb der 1600er Klasse komplett durcheinander - aber immer der Reihe nach. Lokalmatador Patrick Orth presste seinen BMW 320is im Training hochmotiviert das Geschlängel hinauf und stellte sich insgeheim schon Siegmodus für den Renntag ein. Polotreter Peter Naumann im aufgeladenen VW Polo II Supercharger war nicht minder schnell unterwegs und hegte wohl ähnliche Ambitionen. Björn Wiebe im blauen Renault Williams Wiebe Laguna BTCC wollte da wohl auch noch ein Wörtchen mitreden und so freuten sich alle auf einen spannenden Renntag am Pfingstmontag oder Wolsfeldmontag.

Nach dem ersten Wertungslauf zeigt sich das eigentlich zu erwartende Bild. Der mehrfache Deutsche Automobil Bergmeister der Rennsportfahrzeuge führt das Feld im Gesamtklassement an, die Tourenwagenkrone setzte sich Peter Naumann im VW Polo II 1.4 G40 Supercharger 16V auf, mit Patrick Orth im BMW Frank 320is ganz dicht im Nacken.  Bruno Ianniello nur Platz 3? Was war passiert - bis dahin noch nix negatives. Denn die beiden Berg-Cup Piloten an der Spitze zeigten nun mal ihre wahre Klasse wollten dafür auch belohnt werden.  Soweit so gut meinte man zu denken - bis zur Mittagspause, wo ganz dunkle Wolken aufzogen und sich manch einer schon dachte, ob da nicht der Regen kommt? Und der kam leider inmitten der dritten von vier Startergruppen, genauer genommen inmitten der Königsklasse bis 2 L Hubraum. Wer hier mit einer hohen Startnummer gesegnet war, kam im Trockenen noch die Strecke hoch - die anderen hätten sich in Wasserskifahren üben können oder zogen die Regenschuhe auf ihre Rennwagen, nachdem dieses vom Rennleiter als Wetrace deklariert wurde. Besonders blöd lief es für Michael Bodenmüller im erstmal eingesetzten Honda Civic Type R Super 2000, der nach einem Dreher vom vorausfahrenden VW Golf II Pilot Martin Schug, eigentlich noch halbwegs trocken oben angekommen wäre, aber dann mit rot abgewunken wurde. Der erneute Start verlief mit Regenreifen und eine gute Platzierung mit dem neu angeschafften Auto war dahin.

Aber da waren ja noch mehr Starter die nicht mehr im trockenen starten durften - mit dabei leider auch unsere heiß umkämpfte Führungsspitze um Peter Naumann und Patrick Orth und Norbert Wimmer als schnellster 8V Pilot. Alle wurden nach hinten durchgereicht und schauten buchstäblich in den Röhre. Denn so wurde aus einem Vorsprung von einer Sekunden auf einmal ein Rückstand von fast 9  Sekunden auf den neuen Leader Björn Wiebe im Renault Williams Wiebe Laguna BTCC. Dieser schickte sich an, den Gesamtsieg in Wolsfeld einzuheimsen. Auf Rang 2 und 3 fanden sich der Italo Schwabe Egidio Pisano im , nach FIA Reglement aufgebauten VW Spiess Golf I 16V und Ralph Paulick im Breitbau VW Golf I GTI 16V wieder. Die Bergrennenfans entlang der Strecke waren verwundert, denn wohl keiner hatte damit nur ansatzweise gerechnet.  Aber auch Björn Wiebe hatte dann im dritten und letzten Lauf Pech mit einem defekten Poti  im Renngefährt und musste so eine Startgruppe später starten - das aber dann mit einem blöden Mitfahrer, der den anderen schon das Leben schwer gemacht hat - Richtig - der Regen war wieder da und mischte nochmals kräftig die Platzierungen durcheinander.  Björn verlor seine Spitzenposition an Egidio Pisano. Ralph Paulick rückte auf P2 vor und ein 1600er Pilot stand auf einmal auf P3. Die Rede ist dabei von André Stelberg mit seinem infernalisch gehenden VW Schneider RSB Corrado 16V, der schon das ganze Wochenende einsame Spitzenleistungen zeigte und letztendlich dafür auch belohnt wurde. Bernd Ehrle im Opel Krause Kadett C Coupé 8V war schnellster 8V Pilot auf P4. Peter Naumann betrieb Schadensbegrenzung und kam noch bis auf P5 vor, Armin Ebenhöh wurde im VW Minichberger Scirocco I 16V schnellster 1400er Pilot und Gesamt 6. Manfred Schulte im neu motorisierten Citroen Nemeth AX Kit Car 16V, Andreas Kokor im Ford Escort Mk I 16V sowie Patrick Orth im BMW Frank 320is und Björn Wiebe im Renault Williams Wiebe Laguna BTCC komplettierten die bunt zusammengewürfelte Top 10 in Wolsfeld. Das war spannend oder? Oder besser - Unverhofft kommt selten oft. Aber schauen wir uns die Klassenergebnisse mal in alle Ruhe an, denn hier ging es mitunter auch bunt gemischt umher.

Die Sport- und Formelwagen hatten an diesem Wochenende mit dem Rennausgang nicht wirklich viel zu und konnten nur ihre interne Wertung ausfahren. Somit gewann der zweifache Deutsche Bergmeister Frank Debruyne im Dallara F303 die Gruppe E2-SS bis 2000 ccm. Georg Lang kam mit den Verhältnissen sehr gut zurecht und konnte seinen Formel Renault 2.0 Tatuus auf P2 abstellen. Mathieu Wolpert komplettierte im BSR VW 389 das Stockerl. Uwe Lang war im dritten Lauf der letzte und auch einzige Starter in der Gruppe E2-SC bis 3000 ccm und gewann diese natürlich auch.  Richtig gut ist auch quasi Neueinsteiger Thomas Conrad im CRS MTK S5/7 Eigenbau unterwegs gewesen. Er gewann die Gruppe E2-SC bis 2000 ccm vor Uwe Wolpert im UWR WFK Honda 07 und Bernd Letmade im Norma Honda M20. Nachdem Bruno Ianniello im letzten Lauf nicht mehr startete, Jürgen Gerspacher und Alexander Hin schon einen Lauf vorher nicht mehr am Start waren, gewann der Luxemburger Cedric Schilling im Mitsubishi Lancer Evo VII die Gruppe E1 über 3000 ccm Hubraum. Ein gut besetztes Starterfeld hatte auch die Gruppe E1 bis 3000 ccm Hubraum zu vermelden. 7 Starter gingen an den Start und alle wurden gewertet. André Wiebe im bildschönen originalen Renault Williams Wiebe Laguna BTCC konnte sich mit 6 Sekunden Vorsprung auf René Frank im BMW E36 M3 den Klassensieg sichern. Arno Billen im weiteren BMW E36 M3 kam auf den 3. Rang. Bester 2V Pilot in der Klasse wurde Thomas Ostermann im Hartge BMW 325i und Klassenrang 5.  Jürgen Fechter verblieb in seinem Ex-VW Motorsport Golf V TDI Versuchsfahrzeug, nach Karlheinz Meurers nicht Start im dritten Lauf, als Einzelstarter und gewann seine Gruppe E1 Diesel bis 2000 ccm.

Wie schon weiter oben erwähnt, spielten sich echte Dramen in der Königsklasse des Bergrennens, der Gruppe E1 bis 2000 ccm Hubraum. Erst Peter Naumann im VW Polo II 1.4 G40 Supercharger 16V, Patrick Orth im BMW Frank 320is ganz knapp dahinter. Norbert Wimmer als grandioser 8V Pilot im BMW 2002tii 8V auf P3.  Der pure Wahnsinn dachte sich da manch einer. Da muss der "rostige Nagel" besonders tief im Kopf stecken, wenn man sich mal die Geschwindigkeit gepaart mit der engen Strecke vor Augen führt. Dann der Moment als der Regen kam und alles neu mischte. Björn Wiebe im Renault Williams Wiebe Laguna BTCC auf P1 in der Klasse, sogar ein Gesamtsieg ist möglich. Des einen Freud ist des anderen Leid. Die enttäuschten Gesichter der niedrigeren Startnummern nach der Rückführung sprachen Bände. 9 Sekunden und mehr Rückstand sind fahrerisch auf der kurzen Strecke nicht mehr rauszuholen, ab jetzt ging es nur noch um Schadensbegrenzung und das dann noch Beste aus der Lage machen. Dann pachtete Björn Wiebe das Pech im dritten Lauf, konnte nicht in seiner Startgruppe im Trockenen starten, musste mit der vierten Gruppe im nassen starten und verlor seine sicher geglaubte Führung. Egidio Pisano im VW Spiess Golf I 16V machet den Sack zu und gewann die Gruppe E1 bis 2000 ccm Hubraum und sicherte sich obendrein den Gesamtsieg. Ein das ganze Wochenende stark fahrender Ralph Paulick im VW Golf I GTI 16V wurde verdienter zweiter. Schnellster 8V Pilot wurde ein wieder extrem stark fahrender Bernd Ehrle im Opel Krase Kadett C Coupé 8V. Peter Naumann reihte sich im Polo auf P4 ein, Andreas Kokor kam im wunderschönen Knochen Escort Mk I auf P5.  Lokalmatador Patrick Orth kämpfte sich mit einem saustarken dritten Lauf auf P6 vor. Björn Wiebe folgte mit kleinem Abstand auf P7.   

Nicht minder stark war die Leistung von André Stelberg im VW Schneider RSB Corrado 16V in der Gruppe E1 bis 1600 ccm. Mit top Zeiten auf 2L Niveau gewann er verdient die Klasse vor Manfred Schulte im Citroen Nemeth AX Kit Car 16V und Andy Heindrichs im Opel Schneider Corsa A 16V, der mit seiner Leistung mehr als nur zufrieden sein konnte. Schnellster 8V Pilot wurde Benedikt Schulte im Citroen AX Sport 8V. Richtig Spaß machten die Zweikämpfe in Gruppe E1 bis 1400 ccm. Armin Ebenhöh setzte sich nach einem beinahe Abflug im ersten Wertungslauf mit konstant guten Zeit auf P1 vor seinem Schwiegervater und Berg-Cup Urgestein Franz Weißdorn im VW Polo I 16V. Frank Lohmann im VW Polo 86C Steilheck lieferte sich ein packendes Duell mit Sven Koob auf Fiat X 1/9 um die 8V Krone in der Klasse, mit dem besseren Ende für Frank Lohmann. Hans Peter Wiebe stellte seinen Renault R8 Gordini 16V auf P4 ab. Sven Koob komplettierte die Top 5.  Tobias Stegmann im Schneider Audi 50 8V kam sah und siegt in der Gruppe E1 bis 1150 ccm. Er verwies bei seinem ersten Rennen der Saison seinen Motorenbauer Jürgen Schneider (VW Schneider Polo II 16V) auf P2. Schwiegerpapa in Spe Bernd Deutsch im weiteren Schneider Audi 50 8V auf P3.

Im NSU Bergpokal waren 10 Fahrer mit ihren heckgetriebenen und heckmotorisierten Fahrzeugen am Start. Jörg Davidovic sicherte einen weiteren ungefährdeten Klassensieg für die Saison 2015. Thomas Krystofiak im Langnasen NSU 1200C folgte auf P2. Karsten Steinert kam in Schlagdistanz liegend auf P3. Frank Kleineberg im NSU 1000C setzte sich mit knapp 1,5 Sekunden Vorsprung auf Walter Voigt auf P4 ab. Die Gruppe A über 2000 ccm gewann ein überlegen fahrender Ex Europameister Roland Wanek im Mitsubishi Lancer Evo 9 vor Roland Herget im Mitsubishi CT9A und Albert Vogt im Subaru Impreza GC8. Kai Neu im Ford Focus ST 170 gewann die Gruppe A bis 2000 ccm Hubraum vor einem immer spektakulär fahrenden Ralf Orth im BMW 320is. Markenkollege Kevin Veit komplettierte das Stockerl auf P3. Gilles Jacoby gewann im Citroen C2 R2 Max die Gruppe A bis 1600 ccm vor Heinz-Peter Boch im Honda Civic. Robert Maslonka im VW Polo 86C 2F setzte sich gegen den Osnabrücker Christoph Hilmes im VW Polo II 86C Coupé durch. Ralf Driescher stellte seine Renault R5 Alpine auf P3 ab. Georges Goedert im Subaru Impreza STI gewann die Gruppe N über 2000 ccm Hubraum vor Christian Bächle im weit unterlegenen Suzuki Swift Sport und Silvio Monalto im Peugeot 106 Rallye. Harald Ludwig im neu angeschafften Audi R8 4.2 V8 war leider Einzelstarter in seiner Gruppe G LG 1. Die GLP gewann Jutta Meuser im MG Midget MK 3 vor Volker Pesch im Lotus Seven S2 TwinCam und Neueinsteigerin Leslie Richter im VW Polo I.