Back for good - Andrä Schrörs Comeback im Lotus Esprit GT1

Wenn ich mich an meine Anfänge als Journalist im Bergrennsport zurückerinnere fallen mit gerade in der 2L Klasse ein paar markante Fahrer mit ihren Fahrzeugen ein - Holger Hovemann im giftgelben Opel Kadett C Coupé 16V, Oliver Harsch im BMW E21 320 mit Formel 2 Motor, Stefan Glass im Ford Escort Mk I und Andrä Schrörs im Talbot Lotus Sunbeam 16V. Letzterer hatte 2013 leider einen folgenschweren Abflug ausgangs der Honda Kurve beim Bergrennen Unterfranken. Aus dem Duell fetter Strohballen gegen Talbot Lotus Sunbeam in Breitbauoptik zog der Sunbeam leider den kürzeren und landete samt Fahrer Andrä auf dem Dach. Dieser trug den Ausritt mit Fassung, das Auto eher nicht, weil etwas aus der Form geraten - aber ist ja immerhin noch zu retten, soll aber nicht mehr am Berg zum Einsatz kommen.

Doch was nun? Gedanken über evtl. neue Projekte hatte sich Andrä schon viele gemacht, fasste den Entschluss aber witzigerweise, fast 2 Jahre später, im Jahre 2015 wieder in Eichenbühl an der Rennstrecke. Ganz aufgeregt und mit Funkeln im Auge kam er zu mir und zeigte mir sein neues Projekt und ob ich was dazu sagen könnte. Und wie ich das konnte - auf dem Bildschirm seines Smartphones strahlte mir ein Lotus Esprit GT1 aus dem Jahre 1996 entgegen. Das Fahrzeug wurde damals für die BPR Internation GT Championship aufgebaut und durch namhafte Fahrer wie Jan Lammers und Alex Portman bewegt. Wenn das Fahrzeug ankam, war es sehr erfolgreich, litt aber unter Zuverlässigkeitsproblemen, welche der damaligen Turbotechnik geschuldet waren.  Nach kurzem Informationsaustausch stand die Entscheidung fest - der Lotus Esprit GT1 als Replica soll es also werden. Kurzerhand wurde das erste Fahrzeug bereist in der kommenden Woche aus Großbritannien geholt. Das erste Fahrzeug? Ja, denn Andrä baut den Esprit GT1, wie bereits geschrieben, auf einer Rohkarosse auf und rechnet mit der Fertigstellung des Projekts in 2017.

Da Andrä nach so langer Pause aber wieder sehr heiß aufs Fahren ist, gab es einen Lotus Esprit Sport 350 mit dazu, als Serienfahrzeug noch mit dazu. Das Fahrzeug ist quasi das GT2 Modell der Baureihe mit etwa 500 PS bei 1250  kg Leergewicht, ist also von der Leistung her etwas gegenüber der Serie angehoben, denn die hatte nur 350 PS. Die Kraft mobilisiert das Triebwerk aus einem nur etwa 200 kg schweren V8 mit 3,5 L Hubraum, 32 Ventilen und flacher 180° Rennkurbelwelle. Der Lotus Esprit Sport 350 partizipiert von den Erfahrungen der erfolgreichen Renngeschichte von Lotus welche mit dem X180R, dem Sport 300 und dem eben dem Typ 114 Esprit V8 GT1 gemacht wurden. Letzterer war in der 1996 sehr erfolgreich in der BPR Internation GT Championship Serie im Einsatz und gewann hier und danach mehrere nationale Rennen in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien.

Entstanden aus dem hohen Entwicklungsgrad und Komfort des Esprit V8, zeigt und versteht sich der Sport 350 als kompromisslose Fahrmaschine, die den ambitionierten Fahrer mit außerordentlicher Fahrdynamik und Fahrspaß verwöhnt. Immerhin muss sich der Sport 350 mit etwas über 80 kg weniger Gewicht gegenüber dem Esprit V8 herumschleppen und verfügt zudem über die unverwechselbaren hinteren Kotflügel aus Kohlenstoffaser. Aggressive Seitenrippen und knochendürre aufrechte, gefräste Aluminiumträger tragen ebenso weiter zur Rennoptik bei, wie die OZ Racing Chrono Magnesio Räder und der extrem tiefe Frontspoiler samt Splitter. Der Käufer hatte bei dem Fahrzeug die Fahrauswahl zwischen Aluminium und Aluminium - warum nur so? Weil er so gleich eindeutig zu identifizieren war. Der GT1 Rennwagen wird sich komplett am Original, also in Schwarz, orientieren.

Erste Testfahrten mit dem Fahrzeug hinterließen einen durchweg positiven Eindruck beim Fahrer und Beifahrer.

Photocredit: Jeffweb